Schweden: Regierung will Staat als AKW-Mehrheitseigner

Schweden. Es sind nur noch wenige Monate bis zu den nächsten Wahlen in Schweden am 23. September. Die aktuelle Regierung plant aber, bis dahin noch weiter die Weichen in Richtung neue Atomkraftwerke zu stellen. Dafür soll es ein neues Eigentums- und Finanzierungsmodell geben, in dem der Staat einen großen Anteil übernimmt – nicht nur beim Bau, sondern auch bei der Entsorgung. Die entsprechenden Summen sollen schon jetzt im Haushalt verankert werden. Darüber berichtete auch SVT.

Drei Kühltürme am Wasser

AKW Ringhals. Foto Annika Örnberg/Vattenfall

So ist der Stand der Dinge in Sachen neuer Atomkraft in Schweden: Es hat sich eine neue Gesellschaft namens Videberg Kraft gebildet, die zu 80 Prozent aus der staatseigenen Vattenfall und zu 20 Prozent aus anderen Unternehmen besteht. Zweck der Gesellschaft ist es, kleine moduläre Reaktoren mit insgesamt 1500 MW am Standort Ringhals zu bauen, wo auch noch zwei größere Reaktoren von Vattenfall aktiv sind. Videberg Kraft hat im Herbst staatliche Zuschüsse dafür beantragt. Ohne staatliche Hilfe, so hatte Vattenfall schon früh klargemacht, würde kein Unternehmen neue AKW bauen. Es liegt ein Vorschlag für die Finanzierung vor, die auch eine Preisgarantie für den Atomstrom beinhaltet.

Staat direkt als Mehrheitseigner neuer AKW?

Die Regierung plant nun, Anteile von Vattenfall zu kaufen und mit 60 Prozent bei Videberg Kraft einzusteigen. Gemeinsam mit Vattenfall wären dann 80 Prozent der neuen Atomkraftgesellschaft direkt oder indirekt in staatlicher Hand. Das Geschäft soll 2027 über die Bühne gehen, es sind im Nachtragshaushalt 1,8 Milliarden SEK (170 Millionen Euro) dafür eingestellt. Für den Bau werden dann voraussichtlich bis zu 34,3 Milliarden SEK (3,1 Milliarden Euro) benötigt.

Die endgültige Entscheidung für einen Baubeginn wird aber voraussichtlich erst in einigen Jahren fallen, wenn die Planung abgeschlossen ist.

Mittel für die Entsorgung des Atommülls

Ein Endlager für Atommüll ist in Schweden im Bau, am Standort Forsmark. Dieses ist allerdings nur für die Mengen Atommüll konzipiert, die bereits existieren und was von den sechs noch laufenden alten AKW noch zu erwarten ist. Finanziert wird dies durch einen staatlichen Fonds, in den die Kraftwerksbetreiber einzahlen. Zurzeit gehen von jeder Kilowattstunde Atomstrom 8 Öre in den Endlager-Fonds. 

Für den Abfall aus neuen Atomkraftwerken müssten auch neue Entsorgungsmöglichkeiten geschaffen werden. Dafür, so kündigte die Regierung an,  sollen 183 Milliarden SEK (16,85 Milliarden Euro) zurückgelegt werden, die in den Jahren 2035 bis 2159 ausbezahlt werden sollen.

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