Schutz für einen Sommer: Der Helagsglaciär wird zugedeckt

Jämtland (Schweden). Den Gletscher mit einer weißen Plane zudecken, um ihn vor der Sommersonne zu schützen – dieses Verfahren kam bereits bei mehreren Alpengletschern zum Einsatz. In diesem Jahr findet eine solche Aktion erstmals in Schweden statt. Der südlichste Gletscher, Helagsglaciär, soll sich so noch etwas länger halten. Darüber berichtete SVT.

Helagsglaciär

Schon 2009 zweigte sich die Zweiteilung am Helagsglaciär. Foto NH2501/ Wikimedia, CC BY-SA 3.0

Hinter dem schwedischen Gletscherprojekt stehen der Glaziologe Erik Huss und der Abenteurer Oskar Kihlborg. Das weiße Tuch, das die Sonne reflektieren und das verbliebene Eis schützen soll, besteht aus Wollresten und Maisstärke. Auf Kajakwagen und mit Muskelkraft werden die Tücher auf den Berg geschleppt – „eine Stunde mit einem voll beladenen Helikopter erzeugt so viel CO2 wie ein Jahr Autofahren“, so Erik Huss zu SVT. Aus Stockholm kamen sie mit dem Elektroauto. „Wenn wir das Abschmelzen um einen Meter verringern können, wäre das fantastisch“, sagt er über das Ziel der Aktion. Es ist sowohl ein wissenschaftlicher Versuch als auch eine symbolische Handlung. Der Helagsglaciär liegt auf 62,9 Grad Nord und erstreckt sich zwischen 1370 und 1620 Metern über dem Meer.

In 30 Jahren nur noch Reste?

Nach aktuellen Chancen stehen die Überlebenschancen der beiden südlichsten Gletscher Schwedens schlecht: Sowohl Helags- als auch Sylglaciären sind in den vergangenen 100 Jahren bereits um 40 Prozent geschrumpft. Vor zwei Jahre berichteten Wanderer bereits von einer fortschreitenden Zweiteilung des Helagsglaciär und vom Kollabieren des Sylglaciärs. Glaziologin Gunhild Rosqvist, ehemalige Leiterin der Forschungsstation Tarfala, geht im SVT-Interview davon aus, dass von diesen beiden Gletschern in 30 Jahren nur noch kleine Reste übrig sein werden. Auch viel Schnee im Winter helfe nicht mehr: Wenn der Sommer warm sei, schmelze alles weg, und es habe zuletzt sehr viele warme Sommer gegeben.

Haben Huss und Kihlborg den gewünschten Erfolg, so wird die Bilanz des Helagsglaciärs nach diesem Sommer nicht ganz so katastrophal sein.

Erste Aktion in Schweden war Kunstprojekt

Die Gletscherschmelze hat bereits dafür gesorgt, dass nun die felsige Nordspitze und nicht mehr die eisbedeckte Südspitze der Kebnekaise der höchste Gipfel Schwedens ist. Auf der Südspitze des Kebnekaise fand bereits 2015 die erste „Zudeckaktion“ in Schweden statt – damals handelte es sich aber um ein Kunstprojekt des Duos Bigert&Bergström mit einer 500 Quadratmeter großen Rettungsdecke.

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