Letzte Monate für Kirunas Rathaus

Kiruna.  Ganze Häuser auf dem Schwertransporter unterwegs zu einem neuen Standort – das war zuletzt in Malmberget und Kiruna immer wieder zu sehen. Besonders wertvolle Kulturgüter sollten erhalten bleiben, auch wenn ihr alter Standort dem Erzabbau zum Opfer fällt. Kirunas Rathaus ist dafür zu groß – für das preisgekrönte Gebäude sind die letzten Monate angebrochen.

Rathaus Kiruna

Kirunas Rathaus ohne Uhrenturm.

Architekt des „Stadshuset“ war Arthur von Schmalensee. Es wurde 1963 eingeweiht und liegt am Hang mit Eingang zur Stadt, aber freiem Blick auf den Kirunavaara. Diese Nähe wird ihm nun zum Verhängnis: Es liegt in der Zone, in der als nächstes Bodenschäden durch den unterirdischen Bergbau erwartet werden. Viele andere Gebäude aus dieser Zone sind bereits abgerissen  oder werden es demnächst nach dem Zeitplan.

Der charakteristische Uhrenturm ist bereits abgebaut und im zukünftigen Zentrum aufgestellt worden. Dort finden die letzten Arbeiten am neuen Rathaus, „Kristallen“ statt. Anfang Mai soll es übergabefertig sein – bis zum Herbst werden die Mitarbeiter umgezogen sein. Danach wird das alte Rathaus abgerissen.

Rathaus Kiruna innen

Das Rathaus innen – Kirunas Wohnzimmer

Die Stadt verabschiedet ihr Rathaus mit einer ganzen Reihe von Veranstaltungen darin: Führungen, Ausstellungen und Konzerte locken die Bürger noch einmal in ihr „Wohnzimmer“ („Kirunabornas vardagsrum“), wie es genannt wurde. Zurzeit hängen dort unter anderem Fotos von Kjell Törmä, der das Leben und die Veränderungen in Kiruna seit Jahren dokumentiert. Im Rathaus kann man übrigens sehen, wie der Berg Kirunavaara aussah, bevor dort Erz abgebaut wurde – auf einem Bild von Axel Sjöberg von 1905.

Auf der Liste der umzuziehenden Gebäude stand aber lange das „Bolagshotellet“ von 1901, eines der frühesten Gebäude der Stadt überhaupt, gezeichnet von Gustav Wickman. Es diente der Bergbaufirma LKAB von Anfang an dazu, Gäste unterzubringen. Letzte Untersuchungen zeigten nun, dass das komplexe Gebäude doch nicht umgezogen werden kann – wie Projektleiter Tjabba Nordanfjäll in einer Pressemitteilung erklärte, berge dies zu große Risiken für die Beteiligten. Weil die diversen Anbauten nicht gut dokumentiert worden waren, war das Gebäude noch einmal gründlich geprüft worden. 

Bolagshotellet

Für das Bolagshotellet bleibt nur der Abriss.

Das Bolagshotellet steht im Gruvstadsparken, dem Grüngürtel, der Stadt und Einsturzzone in Kiruna trennt. Sein Nachbar, der bei den Bürgern Kirunas beliebte Hjalmar Lundbohmsgården,ist bereits umgezogen. Zusammen mit einigen anderen Häusern, die als wichtiges Kulturgut eingestuft wurden, steht er nun am Fuße des Luossavaara, ist allerdings noch nicht wieder nutzbar.

Im Malmberget ist man schon etwas weiter: Rund 30 Gebäude wurden seit 2016 ins benachbarte Koskullskulle umgezogen. Dort sind schon wieder Bewohner eingezogen -frühere oder neue. Das hilft auch denen, die um den Ort trauern, den sie demnächst verlassen müssen: „Die Hoffnung kehrt zurück, wenn man nach „Kullen“ kommt“, sagt Katarina Wilén, letzte Geschäftsinhaberin der Ladenzeile von Malmberget, im Gespräch mit der Autorin.

Mehr zu Kiruna:

Mehr zu Malmberget:

Dieser Beitrag wurde unter Bergbau, Kiruna, Schweden veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.