Kiruna: Wohin mit 6000 Einwohnern, wenn der Boden absackt?

Kiruna (Schweden). Die schlechteste Nachricht des Jahres für Kiruna kam Ende August, kurz nach dem spektakulären Kirchenumzug: Die Schäden durch den Bergbau in Kiruna werden größer als ursprünglich erwartet. Weitere 6000 Menschen müssen umziehen, und das innerhalb von zehn Jahren. Aber wohin? Die Bergbaufirma LKAB meldete nun, dass sie 275 Hektar Grund in Kiruna vom Staat für neue Baugebiete kaufen will und einen entsprechenden Antrag gestellt hat. Auch die schon früher geplanten Umzüge sind aber noch nicht abgeschlossen.

Mögliche neue Ortsteile für Kiruna – als Ersatz für die, die dem Bergbau zum Opfer fallen. Quelle LKAB

Zehn Jahre sind nicht viel Zeit, um eine Wohn-Alternative für 6000 Menschen und neue Infrastruktur zu schaffen. Für den früheren Umzugs-Abschnitt, das alte Zentrum und die ersten 6000 Einwohner, gab es eine längere Vorbereitungsphase. 2004 wurde bekannt, dass das Zentrum umziehen muss, 2011 fiel der Beschluss, es nach Tuolluvaara zu verlegen. Allerdings hatte sich in den vergangenen Jahren auch gezeigt, dass die Schäden teilweise schneller voranschritten als prognostiziert.  Teile des Krankenhauses haben schon Schäden, obwohl sich der Ersatzbau noch in der Planungsphase befindet.

Schon längst fertig sein sollte das neue Schwimmbad. Doch der recht luxuriös geplante Ersatzbau ist aufgrund von Baumängeln bisher nicht abgenommen worden und außerdem viel teurer geworden als geplant. Die Kommune hat dafür zwar Geld von LKAB erhalten, muss aber für die Mehrkosten aufkommen. Das alte Schwimmbad schließt Anfang Januar endgültig und soll im Frühjahr abgerissen werden. Für die Kinder gibt es nun „Trockenschwimmen“, wie SVT berichtet.

„Schlüssel gegen Schlüssel“

Kirunas neues Zentrum, August 2025

Angesichts des engen Zeitfensters für die nächste Umzugs-Etappe will LKAB nun schnell Grund erwerben und bauen und hat dazu in Absprache mit der Kommune mehrere Flächen ausgewählt. Das Standardverfahren für den Ersatz der betroffenen Immobilien soll diesmal „Schlüssel gegen Schlüssel“ sein – Gebäude werden gegen Gebäude mit gleichwertiger Funktion ersetzt.  Zwar handelt es sich hauptsächlich um Wohnhäuser, aber auch um Schulen, Sporthallen und Geschäftsgebäude. 

Die dafür ausgewählten Flächen liegen zum einen am neuen E-10-Abschnitt nördlich von Kiruna. Das größte zusammenhängende Gebiet wäre jedoch ein Streifen von 158 Hektar entlang der neuen Abzweigung nach Nikkaluokta (Holmajärvivägen), parallel zum Flughafen. Für eine Fläche gegenüber, auf der östlichen Seite, gibt es bereits einen Regierungsbeschluss, dass die Kommune diese Fläche erwerben darf.

Nutzungskonflikt mit Rentierhaltern die Fläche nördlich Luossavaara

Die erwarteten Schäden stammen noch von LKABs laufendem Erzabbau aus dem Vorkommen am Erzberg Kiirunavaara, das tief in die Erde reicht, allerdings nicht unendlich ist. Für die Zukunft plant LKAB deshalb auch den Abbau von Erz aus dem Per-Geijer-Vorkommen nördlich des Luossavaara und der neuen E 10. Dies würde allerdings die Nutzungsmöglichkeiten der örtlichen Rentierhalterkooperative, Gabna Sameby, massiv einschränken. Gabna Sameby hat die Kooperationsvereinbarung mit LKAB vor kurzem gekündigt, da die Rentierhalter aktuell keine Chance sehen, mit LKAB zu einer befriedigenden Lösung zu kommen: Gabna Sameby kündigt Kooperation mit LKAB

Mehr zum Hintergrund des Stadtumzugs:

Kiruna – eine Stadt zieht um

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