Luleå (Schweden). Der Bau des neuen Elektro-Stahlwerks von SSAB in Luleå ist weiterhin von Problemen begleitet: Es gab bisher keine überzeugende Erklärung für die mehr als 30 Krankheitsfälle von Bauarbeitern. Die Bauarbeiten waren deshalb zeitweise gestoppt worden. Seit Freitagabend steht wieder alles still: Ein Gasdetektor hatte Blausäure entdeckt. Darüber berichteten unter anderem SVT und Dagens Nyheter.

HYBRIT-Pilotanlage in Luleå für die fossilfreie Erzeugung von Eisenschwamm, im Hintergrund SSABs Hochöfen. Daneben soll auch das neue Stahlwerk entehen, das Eisenschwamm verarbeitet.
SSABs neues Stahlwerk soll ohne Kohle und (fast) fossilfrei aus Eisenschwamm Stahl erzeugen. Es entsteht neben SSABs alten Hochöfen in Luleå auf Svartön auf altem Industrie-Untergrund. Nach den mehr als 30 Krankheitsfällen im Frühjahr hatte SSAB die Bauarbeiten für zwei Monate gestoppt. Bei den Symptomen handelte es sich um gereizte Atemwege, Nasenbluten, Kopfschmerzen und Übelkeit. SSABs Erklärung für die Krankheitssymptome war schließlich „feinkörniger Staub, in Verbindung mit trockener Luft und saisonalen Atemwegserkrankungen“. Ende Mai wurden die Arbeiten schrittweise wieder aufgenommen. SSAB betonte stets, es seien bei den zahlreichen Messungen keine Giftstoffe jenseits der Grenzwerte gemessen worden, es sind auch Berichte dazu einsehbar.
Erklärung für Experten nicht überzeugend
Von Dagens Nyheter befragte Experten, inklusive solcher, die SSAB berieten, hielten die vorgestellte Erklärung allerdings nicht für überzeugend oder zumindest nicht für vollständig. Neben der örtlichen Verwaltung interessieren sich nun auch die Havariekommion und die Behörde für Arbeitsschutz für den Fall. Doch SSAB ließ die Bauarbeiten schrittweise wieder aufnehmen.
Gasdetektor misst Blausäure auf SSAB-Baustelle
Am 18. Juni wurde dann der nächste Fall von Nasenbluten gemeldet. Und am Freitagabend wurden wieder alle Arbeiten eingestellt, nachdem ein persönlicher Gasdetektor Blausäure (Cyanwasserstoff) gemessen hatte, wie Ekot meldete. Dabei bleibt unklar, wann das Gas eigentlich gemessen wurde. Laut SSAB handelt es sich um niedrige Wert unterhalb des Grenzwertes für kurzfristige Exponierung.
Gasdetektor maß Blausäure im Hafen von Luleå
Es war nicht der erste Blausäure-Alarm in dem Gebiet: Im April hatte es im nahen Hafen von Luleå, wo ebenfalls gebaut wird, Gasalarm deswegen gegeben. Auch dort wurden die Arbeiten vorübergehend gestoppt. Später konnte das Gas nicht mehr gemessen werden. Auf der Website von Luleå Hamn ist dazu eine Aussage der Abteilungsleiterin für Umweltschutz der Verwaltung von Norrbotten zu lesen: “ Wir wissen, dass es hier und da auf Svartön Cyanid im Boden gibt, das ist kein Geheimnis.“ Man habe heute die Umweltschulden zu tragen, die früher verursacht wurden. Sie beschreibt den Boden dort so: “ Svartön besteht aus einer Reihe von Inseln, die im Laufe der Jahre mit Müll, Schlacke, Ausbaggerungsmassen und Ziegel aufgefüllt wurden sowie mit Tonnen, über deren Inhalt wir keinen Überblick haben.“
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