Früher Frühling im Norden

Schweden/Finnland. Plusgrade, Lücken in der Schneedecke und nasses Eis: Nach zwei ungewöhnlich kalten Wintermonaten erleben Schweden und Finnland einen März, der eher ein April ist. Und während in der Bottenwiek noch alle Eisbrecher aktiv sind, schwindet der Bedarf im Finnischen Meerbusen.

Eis, Wasser, Sperrschild, blauer Himmel

Zugang seit Tagen unter Wasser: Piteås Eisbahn ist nun geschlossen.

Kommende Woche finden in Umeå die schwedischen Meisterschaften in zahlreichen Sportarten statt, darunter Ski-Langlauf. Wie SVT berichtet, greift die Kommune nun schon auf den Schnee zurück, der eigentlich für den Herbst aufgespart werden sollte, um die Loipe zu präparieren. Der Orientierungslauf auf Skiern und eine Schlittenhund-Disziplin wurden wegen Schneemangels bereits abgesagt. Die Sprint-Wettbewerbe werden von der Küste nach Järpen ins Fjäll verlegt. Nach den anhaltenden Plusgraden sind die Bedingungen für Langläufer nicht nur in Umeå ungünstig. Lediglich im hohen Norden und im Fjäll liegt noch mehr Schnee. 

Früher „Frühling“

Nach den beiden ungewöhnlich kalten Monaten Januar und Februar kamen die Plusgrade etwas überraschend – und noch überraschender, dass sie sich hielten. So hatte Piteå als erste Kommune Norrbottens gestern bereits sieben Tage lang Durchschnittstemperaturen über 0 °C, was in den Augen der schwedischen Meterorologen als „Frühling“ gilt. „Normalerweise kommt er in Piteå erst am 10. bis 15. April oder noch später“ , so SVTs Meteorologe Pererik Åberg.

Plusgrade und Hochwasser nagen am Eis

Leute sitzen auf dem Eis, neben sich Eisbohrer

Eisangler, Piteå, Sörfjärden

Schneemangel ist nicht das einzige Ärgernis für all diejenigen, die sich auf einen schönen „Vårvinter“ (Frühlingswinter) mit Wintersport eingestellt hatten. Nach Wochen mit niedrigem Wasserstand haben Stürme das Ostseewasser zurück in die Bottenwiek geblasen. Dort quoll es an den Übergängen zwischen Land- und Meereis hervor und erschwert nun den Zugang zum Eis. Nachdem es dort seit Tagen steht, hat es auch das Eis darunter weich gemacht. Piteå hat seine Eisbahn auf dem Nördfjärden deshalb bereits geschlossen und die Tretschlitten weggeräumt. Das Eis an sich hält aber noch, trotz etwas Schmelzwasser. Auf Piteås Südseite, wo man einfacher aufs Eis kommt, sitzen immer noch Eisangler. Luleå meldet noch 100 Zentimeter Eisdicke auf der Eisbahn und verweist auf Zugänge, die noch ohne Gummistiefel zu machen sind. Zum Schlittschuhlaufen ist die Oberfläche allerdings zu weich.

Eisstraßen geschlossen

Luleås Eisstraßen zu den Schäreninseln sind aktuell geschlossen, es ist unklar, ob sie in dieser Saison noch einmal öffnen. Die Eisstraße zur finnischen Insel Hailuoto bei Oulu hat die Saison bereits beendet und wird nicht mehr gepflegt – es war vermutlich das letzte Mal, dass eine eingerichtet wurde. Zum nächsten Winter soll die feste Verbindung mit zwei Brücken fertig sein. 

Weniger Eisbrecher notwendig

In der nördlichen Bottenwiek ist immer noch reger Eisbrecherbetrieb. Die Meerenge  Kvarken ist nun aber wieder gut ohne passierbar. Im Finnischen Meerbusen zeigt sich auch immer mehr offenes Wasser. Als erster finnischer Eisbrecher wurde Sisu in die Sommerpause geschickt. Auch der russische Atomeisbrecher Sibir ist schon weg – er ist auf dem Weg zurück in die Arktis.

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