Schweden. Der Vertrag für Schwedens neue Nachtzüge ist unterschrieben, meldet Trafikverket, und mehr Details sind nun bekannt. Sicher ist: Sie werden sehr anders sein als die alten Wagen, mit einigen dringend notwendigen Anpassungen an heutige Bedürfnisse, zum Beispiel WLAN und Fahrradmitnahme. Zu befürchten ist, dass sie im Gegenzug teurer werden. Die Züge sind für den Verkehr nach Nordschweden und Narvik bestimmt.
Die schwedische Verkehrsbehörde, Trafikverket, kauft 162 Wagen vom spanischen Hersteller Talgo, sowie zehn Vectron-Loks von Siemens. Dabei wird auf Komfort und mehr Privatsphäre gesetzt. Reisende werden dabei immer noch verschiedene Preisoptionen haben. Die alten Liegewagen mit Sechser-Abteilen als Kompromiss zwischen Kosten und Komfort wird es aber nicht mehr geben. Folgende Optionen wurden vorgestellt:
- Salonwagen mit ergonomisch geformten Sitzen
- Wagen mit Sitzen, die so ausgezogen werden können, dass man sich einer liegenden Position nähert
- Vierbettabteile für Familien oder Gruppen
- Abteile mit einem Bett für Einzelreisende
- Premiumabteile mit zwei Betten, eigener Toilette und Dusche
- Es soll auch rollstuhlgerechte Optionen geben
Talgo: Komplett anderes Konzept
Das Talgo-Konzept ist sehr anders als die bisher in Schweden rollenden Züge. Die Wagen sind kürzer und für einen Einsatz als Gruppe konzipiert. Die inneren Wagen einer solchen Gruppe aus sieben oder neun Wagen haben nur ein Achspaar. Ein zukünftiger Nachtzug wird aus folgender Kombination bestehen: einer Lok, einer Gruppe aus sieben „Tag“- Wagen mit Salons, Restaurant und Bistro sowie einer Gruppe aus neun Wagen mit verschiedenen Übernachtungsoptionen. Ein Beispiel dafür ist hier zu sehen. Laut järnvägar.nu hat Trafikverket elf Wagengruppen mit jeweils neun „Nacht“-Wagen und neun Wagengruppen mit jeweils sieben „Tag“-Kombinationen gekauft.
WLAN und Fahrradmitnahme
Zu den großen Verbesserungen gegenüber dem Ist-Zustand gehören WLAN im ganzen Zug und die Möglichkeit, Fahrräder mitzunehmen. Dies war bisher nur mit großem Aufwand möglich – das Fahrrad musste zerlegt und verpackt sein. Auch Ski habe nun mehr Platz. Mit 200 km/h soll der Zug außerdem schneller unterwegs sein können als der bisherige.
Weniger Kapazität
Järnvägar.nu weist allerdings darauf hin, dass die Kapazität der zukünftigen Züge nicht an die heutigen heranreicht: Der heutige Nachtzug zwischen Stockholm und Nordschweden mit 11-13 herkömmlichen Wagen habe rund 200 Sitzplätze und 300 Plätze in Liege- und Schlafwagen. Im zukünftigen Nachtzug sollen es insgesamt rund 380 Plätze sein. Das Onlinemagazin befürchtet auch, dass das Gruppenprinzip die Zusammenstellung der Züge schwieriger mache, wenn ein Wagen defekt sei und ausgetauscht werden müsse.
Teurere Tickets sind zu befüchten
Wie teuer die Fahrkarten zukünftig werden, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht voraussagen, es ist auch noch nicht klar, wer die Nachtzüge dann betreiben wird. Da es sich nun um weniger Plätze handelt als bisher, ist zu befürchten, dass die Tickets teurer werden.
Lieferung ab 2030
Neben dem Kaufpreis für Loks und Wagen von 5,2 Milliarden SEK (480 Millionen Euro) muss auch in eine Anpassung der Werkstätten für Wartung und Reparatur investiert werden. Die Lieferung ist ab 2030 vorgesehen.
Erst vor kurzem wurde das Nachtzug-Angebot in Schweden stark gekürzt:



