Island. Ob es in näherer Zukunft noch einmal einen Vulkanausbruch auf Reykjanes geben wird, ist aktuell völlig ungewiss. Doch es gibt einen neuen Interpretationsansatz für die bisherige Ausbruchsserie: Für den Verlauf könnten auch Spannungen zwischen den Erdplatten eine Rolle gespielt haben, insbesondere bei den Ereignissen am 10. November 2023. Eine neue Untersuchung wies nach, dass sich die Erdkruste in dem Bereich zwischen 2021 und 2025 insgesamt um fast vier Meter dehnte. Darüber berichteten auch RÚV und mbl.is.

Erdspalten in Grindavík nach den Erdbeben Ende 2023. Ausschnitt aus der Gefahrenkarte von Veðurstofa aus dem Januar 2024
Die Bewohner von Grindavík werden den 10. November 2023 sicherlich nie vergessen: Zwar waren sie schon in den Tagen zuvor von starken Erdbeben geplagt worden, doch am späten Abend mussten sie Hals über Kopf den Ort verlassen – es hieß, es habe sich ein Magmatunnel darunter gebildet. Die befürchtete Eruption kam dann zunächst nicht, aber die starke Deformation des Bodens, mit tiefen Spalten, machte den Ort zunächst unbewohnbar. Lava floss dann einige Wochen später, insgesamt neun Mal. Nur drei Häuser in Grindavík wurden allerdings tatsächlich durch Lava zerstört, die meisten durch die Bodendeformation. Auch das einzige Todesopfer im Zusammenhang damit starb in einer Erdspalte. Der letzte Vulkanausbruch endete vor zehn Monaten. Seitdem ist es auf Reykjanes sehr ruhig – es gibt auch kaum Erdbeben.
„Plattengrenzen waren unter enormer Spannung“
Das internationale Team von Hauptautor Tomaš Fischer von der Universität Prag analysierte seismische, Satelliten- und GPS-Daten vom ersten Ausbruch 2021 im Fagradalsfjall bis zum bisher letzten 2025. Zuvor hatte es dort fast 800 Jahre lang gar keine Eruption gegeben. Durch Reykjanes verläuft auch die Grenze zwischen zwei auseinanderdriftenden Erdplatten. Wie der isländische Vulkanologe Þorvaldur Þórðarson, Teil des Teams, gegenüber mbl.is erklärte, hätten diese Plattengrenzen unter enormer Spannung gestanden.
Erdkruste insgesamt um fast vier Meter gedehnt
Die Wissenschaftler weisen anhand der Daten nach, dass die Erdkruste zwischen 2021 und 2025 in einer Serie von mehreren Rifting-Ereignissen insgesamt um fast vier Meter gedehnt wurde – am stärksten am 10./11. November 2023. Fotos dokumentieren Verschiebungen zur Seite und Absinken. In der geologischen Fachsprache wird davon gesprochen, dass sich damals ein „Graben“ bildete. Die Interpretation dieses Teams ist, dass nicht nur der Druck des Magmas, sondern auch die Plattentektonik eine Rolle gespielt hat und dass es Wechselwirkungen zwischen den tektonischen und den vulkanischen Ereignissen gab.
27,5 Millionen Kubikmeter Magma unter Svartsengi
Während es aktuell ruhig scheint, hebt sich das Land unter dem Messpunkt Svartsengi weiterhin langsam, aber stetig, was als Anzeichen von Magmaansammlung interpretiert wird. Laut dem isländischen Wetterdienst befinden sich nun 27,5 Millionen Kubikmeter Magma in der Kammer vier Kilometer unter Svartsengi. Die Risikobewertung bleibt unverändert: Ein hohes Risiko gibt es weiterhin im Bereich der Kraterreihe Sundhnúksgígar, je größer der Abstand davon, desto weniger.
Der Beitrag „Dynamic Coupling Between Faulting, Rifting and Magmatism During 2021-2025 Unrest on Reykjanes Peninsula, Iceland“ ist in Geophysical Research Letters erschienen.
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