Folketing-Wahl in Dänemark: alles offen

Dänemark/Färöer/Grönland. Dänemark hat gewählt – aber welche Regierung aus dem Ergebnis entsteht, ist zunächst noch vollkommen unklar. Alle drei Parteien aus Premierministerin Mette Frederiksens alter Mitte-Koalition mussten Verluste hinnehmen. Klar ist allerdings, das auch in Zukunft kein Block ohne Lars Løkke Rasmussen und seine „Mittepartei“ auskommen wird. Von den Färöern kommen eine „rote“ und eine „blaue“ Stimme, die beiden grönländischen Vertreter haben noch nicht geäußert, welche Kandidaten sie unterstützen würden.

Dänemark

Sitzverteilung im Folketing ohne die 4 Mandate vom Nordatlantik

Alle drei Parteien der Mitte-Koalition haben Federn gelassen – am wenigsten Lars Løkke Rasmussens Moderate, im Gegensatz zur gleichnamigen schwedischen Partei eher mittig. Sie erhielten 7,7 Prozent. Frederiksens Sozialdemokraten  verloren 5,6 Prozent und holten mit 21,9 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis seit 1903. Sie sind aber trotzdem mit Abstand die stärkste Fraktion. Koalitionspartner Venstre, eine liberale Partei und die größte im eigentlich „blauen“ Block, verlor 3,2 Prozent und erhielt 10,1 Prozent.

 Die Gewinne gingen vor allem an Parteien rechts dieser Mitte, und davon vor allem an Dansk Folkeparti (+6,5%). Auf der linken Seite legte die Sozialistische Volkspartei zu (+3,3%) und wurde zweitstärkste Gruppierung.

Das dänische Wahlrecht kennt nur eine Zwei-Prozent-Hürde, und alle zwölf Parteien schafften es ins Parlament. Die fünf Parteien, die zum „roten“ Block gezählt werden, erhielten insgesamt 84 Sitze, die sechs Parteien des „blauen“ Blocks 77 Sitze. Lars Løkke Rasmussens Moderate stehen mit 14 Sitzen dazwischen. Løkke Rasmussen äußerte sich bisher nicht dazu, für welche Richtung er sich entscheiden will. 

Färöer

Die Färöer schicken erneut Sjúrður Skaale von der sozialdemokratischen Partei Javnaðarflokkurin und Anna Falkenberg von der Partei Sambandsflokkurin nach Kopenhagen. Sambandsflokkurin steht für den Verbleib der Färöer im Königreich Dänemark und ist eher konservativ.

Die Färinger wählen morgen auch ihr eigenes Parlament neu. Inwieweit dabei die Folketing-Wahl richtungsweisend ist, wird sich zeigen. Javnaðarflokkurin erhielt mit Abstand die meisten Stimmen, allerdings war  Skaale auch mit Abstand der beliebteste Kandidat und erhielt 10 823 persönliche Stimmen. 

Ergebnis laut KVF

Grönland

Die Wahl in Grönland spiegelt die veränderte politische Landschaft wider. Erstmals seit Jahrzehnten erhielt die sozialdemokratische Partei Siumut kein Mandat für den Folketing. Stärkste Partei wurde die linke Inuit Ataqatigiit und verschaffte Rohstoff-Ministerin Naaja Nathanielsen einen Platz  im Folketing. Der zweite Sitz geht an Qarsoq Høegh-Dam von Naleraq. Naleraq ist die Partei, die es besonders eilig hat mit der Ablösung von Dänemark. Qarsoq Høegh-Dam erhielt auch die meisten persönlichen Stimmen (4615). Gesundheitsministerin Anna Wangenheim erhielt zwar die zweitmeisten persönlichen Stimmen, aber nicht ihre Partei Demokraatit. Sie bleibt deshalb als Ministerin in Grönland. Bei der Wahl in Grönland vor einem Jahr hatten die Demokraatit noch überraschend die meisten Stimmen erhalten.

Ergebnis laut Sermitsiaq

Siehe auch: Woche der Entscheidung für Dänemark, Färöer und Grönland

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