Island. Lange und schwere Fahrzeuge rollen zurzeit Nacht für Nacht vom Hafen Þorlákshöfn 130 Kilometer ins Inland. Es handelt sich um Teile des zukünftigen Windparks Vaðölduver – dem ersten Windpark auf Island überhaupt. Ende 2027 sollen südlich des Stausees Sultartangalón 28 Windräder stehen. Darüber berichtete unter anderem RÚV.
Island nutzt vor allem Wasserkraft und Geothermie zur Energieerzeugung und verfügt damit bereits über günstige, fossilfreie Quellen, die den Strombedarf fast komplett decken. 80 Prozent der Stromproduktion gehen an die Schwerindustrie, zum Beispiel Aluminiumhütten. Windkraft war bisher wenig interessant. Es stehen seit 2012 zwei kleinere Versuchs-Windkraftanlagen beim Wasserkraftwerk Búrfell. Ursprünglich sollte der neue Windpark auch dort gebaut werden, war etwas größer geplant und lief unter dem Namen Búrfellslundur. Der neue Standort liegt aber weiter entfernt vom Berg Búrfell, und deshalb bekam das Projekt einen neuen Namen, Vaðölduver. Um mögliche Auswirkungen auf Zugvögel zu ermitteln, wurde bereits vor gut zehn Jahren eine Untersuchung vor Ort durchgeführt.
Höhe „zweimal die Hallgrímskirkja“

Visualisierung des Windparks Vaðölduver, im Vordergrund das Wasserkraftwerk Sultartangi. Quelle Landsvirkjun
Die ersten der insgesamt 28 Windkraftanlagen sollen schon diesen Sommer stehen. Sie sind jeweils 150 Meter hoch, nach isländischen Maßen „zweimal die Hallgrímskirkja“. Eigentümer und Betreiber ist das staatseigene Energieunternehmen Landsvirkjun. Die Anlagen kommen vom deutschen Hersteller Enercon, mit dem auch ein Servicevertrag geschlossen wurde, denn bisher gibt es keine Windkraftkompetenz auf Island. Voll ausgebaut soll der Windpark 120 MW Strom liefern können. Von Enercon stammen auch die beiden Versuchs-Windkraftanlagen bei Búrfell.
Anlagentransport die nächsten sieben bis neun Wochen
Der Transport der großen Bauteile vom Hafen zum Standort war gründlich vorbereitet worden, und der erste Transport verlief gut, meldet Landsvirkjun. In den nächsten sieben bis neun Wochen wird es weiterhin an sechs Nächten die Woche langsam fahrende, lange Konvois von Þorlákshöfn an Selfoss vorbei ins Inland geben.
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