Norwegen. Vor der norwegischen Küste soll weiter nach Öl und Gas gebohrt werden. Das Energieministerium vergab 57 neue Suchlizenzen an 19 verschiedene Unternehmen, die sich dafür beworben hatten. 31 Lizenzen gibt es für Gebiete in der Nordsee, 21 für die Norwegische See und fünf für die Barentssee. Umweltorganisationen protestierten dagegen vor der Tür. Darüber berichtete NRK.
Norwegen ist aktuell der wichtigste Gaslieferant der EU, auch das Öl geht an europäische Länder. Damit macht das Land ein gutes Geschäft. Doch in wenigen Jahren, so fürchtet Energieminister Terje Aasland, werde die Produktion fallen. Deshalb brauche man jetzt neue Projekte. Das sichere die Aktivität der Öl- und Gasbranche, Arbeitsplätze, Wertschöpfung und zuverlässige Energieversorgung für Europa, so der Minister laut Pressemitteilung.
Ausweitung der Zone „reifer“ Gebiete
Die 57 Lizenzen wurden über ein Verfahren verteilt, das üblicherweise für schon gut erforschte, „reife“ Gebiete mit vorhandener Infrastruktur benutzt wird, sogenannte vordefinierte Gebiete. Allerdings sind diesmal auch solche dabei, die normalerweise in einem anderen Verfahren angeboten werden, Lizenzrunden, die auf Gebiete ausgelegt sind, wo es noch wenig Erfahrung und wenig Infrastruktur gibt. Das wurde sogar von der eigenen Umweltbehörde kritisiert. Mehrere Institutionen vermissten deutliche Kriterien dafür, wann ein Gebiet „reif“ genannt werden dürfe. Nach Einschätzung des Norwegischen Polarinstituts trifft das auf Gebiete in der Barentssee nicht immer zu.
Ölsuche in der Barentssee

Produktionsschiff Johan Castberg und seine Zuleitungen. Quelle Equinor
In der Barentssee wird aktuell an drei Stellen Öl oder Gas aus dem Meeresboden gefördert: aus dem Gasfeld Snøhvit, dessen Gas über Pipelines nach Hammerfest fließt und in der Anlage auf Melkøya verarbeitet wird, über die Ölbohrinsel Goliat vor Hammerfest und über das Produktionsschiff Johan Castberg noch weiter nördlich, das 2025 in Betrieb gegangen ist. Drei der Suchgebiete befinden sich in der Nähe der Bohrinsel Goliat, diese werden alle von Equinor und Vår Energi mit unterschiedlichen Eigneranteilen betrieben. Eins befindet sich in der Nähe des Johan-Castberg-Schiffes, dahinter stehen Equinor, Vår Energi und Petoro. Das fünfte Feld liegt abseits der bisherigen Infrastruktur, hier will Aker BP bohren (siehe auch obere Grafik).
Ungebremster Ölkurs hat immer noch die Mehrheit
Die Verbrennung fossiler Energieträger ist bekanntermaßen die Hauptursache des Klimawandels, Ölforderung ist außerdem mit einem Risiko für Umweltverschmutzung verbunden. Der ungebremste Ölkurs der regierenden sozialdemokratischen Arbeiderpartiet wird von mehreren kleineren Parteien kritisiert. Deren Zustimmung zum jüngsten Haushalt erwarb sich Premierminister Jonas Gahr Støre mit der Einrichtung einer Umstellungskommission für die Zeit nach dem Öl und dem Verzicht auf den Tiefseebergbau. Die konservative Høyre und die rechte Fremskrittspartiet unterstützen die ungebremste Ölförderung.
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