Rentiertod auf Spitzbergen: Fettes Gras schuld?

Spitzbergen (Norwegen). Warum starben 13 Rentieren besten Alters zur besten Zeit des Jahres auf Spitzbergen? Tollwut und Vogelgrippe konnten ausgeschlossen werden. Die aktuelle Hypothese: Der frühe Frühling mit üppigem Futter ist den Tieren nicht bekommen. Allerdings war nur ein Kadaver so weit erhalten, dass eine vollständige Obduktion durchgeführt werden konnte. Darüber berichtete Svalbardposten.

Weidendes kleines Rentier mit kurzen Hörnern

Junges Rentier, Spitzbergen

Eigentlich dachte man, die Rentiere auf Spitzbergen seien die Gewinner des Klimawandels. In diesem kurzen Winter starben beispielsweise nur zwei – die harte letzte Phase, bis der Schnee weg ist, wurde ihnen durch den frühen Frühling erspart. Doch das könnte auch zuviel des Guten gewesen sein, vermutet nun der Fachverantwortliche für Wild  im Veterinärinstitut gegenüber Svalbardposten.

Tollwut und Vogelgrippe ausgeschlossen

Im Institut sucht man die Antwort darauf, warum elf weibliche und zwei männliche Rentiere auf Spitzbergen im Sommer nun plötzlich starben – äußerlich gesunde Tiere, bei gutem Nahrungsangebot. Zwei Ursachen konnten bereits ausgeschlossen werden: Die Analyse von Hirnproben bei sieben Tieren zeigte, dass sie weder Tollwut noch hochpathogene Vogelgrippe hatten. 

Nur ein Tier gut genug erhalten für Obduktion

Ein Problem bei der Untersuchung war, dass die Kadaver in der Natur bereits von anderen Tieren so weit gefressen worden waren, dass es nicht mehr möglich war, eine vollständige Obduktion durchzuführen. Mit einer Ausnahme: einem weiblichen Tier, das Anfang Juli im Inneren Colesdalen gefunden wurde, mit einem lebenden Kalb  daneben.

Entzündung im Magen 

Bei der Analyse des Mageninhalts wurde eine kräftige Entzündung festgestellt, anhand der Färbung und einem starken Vorkommen der Bakterien Clostridium perfringens und Clostridium septicum. Die Hypothese des Fachverantwortlichen: Der schnelle Wechsel von magerer Kost zu fettem Gras könnte Störungen des Verdauungssystems verursacht haben, umso folgenreicher für bereits geschwächte Tiere wie nach der Geburt eines Kalbs. Solche Störungen sind von den halbzahmen Rentieren auf dem Festland bekannt. Eine weitere Untersuchung mit Blick auf Menge und Qualität des Futterangebots im Vergleich zu früheren Jahren könne die Hypothese stärken oder schwächen.

Hintergrund: Weil der Schnee in diesem Jahr früh wegtaute, konnte auch das Gras früher anfangen zu wachsen.

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