Avannaata Kommunia (Grönland). Der Grönlandhai ist bei grönländischen Fischern nicht beliebt: Er bedient sich nämlich gern an ihren Haken und Netzen und zerstört dabei die Ausrüstung. Auf Wunsch der Fischer hatten die Kommunalpolitiker in Grönlands nördlichster Kommune Avannaata deshalb beschlossen, 1000 Grönlandhaie erlegen zu lassen. Pro totem Hai sollte es 300 DKK Belohnung geben. Doch die Aktion wird nicht stattfinden. Das Ministerium für Fischerei, Landwirtschaft und Selbstversorgung wies darauf hin, dass es dafür keine gesetzliche Grundlage gebe. Darüber berichtete Sermitsiaq.

Grönlandhai von etwa 2,5 Metern, gefangen und wieder freigelassen vom grönländischen Forschungsschiff Sanna bei Uummannaq. Foto Julius Nielsen/ Pinngortitaleriffik
Vor 20 Jahren hatte eine solche Grönlandhai-Jagd schon einmal stattgefunden. Damals gab es 100 DKK (ca. 13,40 Euro) pro Hai-Herz oder -Kopf. Um die Attraktivität der Aktion zu erhöhen, sollte es diesmal eine Belohnung von 300 DKK (rund 40 Euro) geben. Es wurde bereits darüber beraten, was dann mit all dem Fleisch geschehen soll, denn Grönlandhaie sind groß, aber keine Delikatesse. Aktuell werden sie lediglich als Beifang verwertet. Empfohlen wurde die Verarbeitung zu Hundefutter. Fermentiert sei er auch für Menschen geeignet. Zu Avannata Kommunia gehören Ilulissat, Uummannaq, Upernavik und Qaanaaq.
Einspruch vom Ministerium
Wie Sermitsiaq nun berichtet, gab es Einspruch von Seiten des Ministeriums. Es wurde darauf verwiesen, dass es sich bei dem Grönlandshai um eine Art auf der Roten Liste handele und die Gesetzesgrundlage fehle. Die Verwaltung der Kommune hat deshalb den Kommunalpolitikern bei der jüngsten Sitzung mitgeteilt, dass man den Hai zwar fangen, aber nicht zu einer Jagd auf die Art selbst aufrufen könne. Der Beschluss könne mangels Gesetzesgrundlage nicht umgesetzt werden.
Kritik von Meeresschutzorganisation
Protest gegen die Aktion hatte es auch von der grönländischen Meeresschutzorganisation Oceans North Kalaallit Nunaat gegeben. Diese verwies darauf, dass die Maßnahme möglicherweise nicht den gewünschten Effekt habe. Grönlandhaie riechen sehr gut und könnten sich angelockt fühlen von Lockmitteln und Kadavern – dann habe man mehr Haie vor Ort als vorher. Außerdem könne die Aktion den Ruf Grönlands international schädigen. Die Organisation äußerte aber Verständnis für die Probleme der Fischer durch zerstörte Ausrüstung.
Schäden bisher nicht systematisch erfasst
Beim grönländischen Naturinstitut ( Pinngortitalriffik) liegen laut Sermitsiaq bisher keine systematischen wissenschaftlichen Untersuchungen dazu vor, wie viele Schäden Grönlandhaie an der Fischereiausrüstung jährlich verursachen – auch wenn das Problem durchaus bekannt sei.
Grönlandhai international als gefährdet eingestuft
Grönlandhaie wachsen sehr langsam und werden erst in hohem Alter geschlechtsreif. Man weiß allerdings noch sehr wenig über sie. Sie können weite Strecken zurücklegen. Laut Naturinstitut sind grönländische Grönlandhaie vermutlich Teil eines gesamtarktischen Bestandes, der zurzeit auf der internationalen Roten Liste der IUCN als „gefährdet” eingestuft ist.
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