Island: Gletscher verloren in einem Jahr 15 Milliarden Tonnen Eis

Island. Die isländischen Gletscher haben im Gletscherjahr 2024/2025 rund 15 Milliarden Tonnen Eis verloren. Das zeigen die jüngsten Messungen. Damit scheinen die Gletscher wieder schneller abzuschmelzen als in der Periode 2012–2020. Die Wissenschaftler sehen einen Zusammenhang mit den Meerwassertemperaturen südwestlich von Island. Darüber berichtete auch Vísir. Die isländische Tourismusorganisation (Ferðamálastofa) warnt Tourenanbieter vor neuen Spalten in den Gletschern.

Korrelation Masseverlust der Gletscher (oben) und Temperatur des Oberflächenwassers südwestlich von Island (unten). Quelle Veðurstofa Íslands

Ein Gletscherjahr dauert normalerweise von Herbst bis Herbst. Es umfasst die Phase, in der während des Winters neuer Schnee auf den Gletscher fällt, und das Abschmelzen im Sommer danach. Die Messungen ergaben, dass alle drei großen isländischen Gletscher – Vatnajökull, Langjökull und Hofsjökull – 2025 mehr verloren haben als das, was im Winter zuvor vom Himmel gefallen ist. Von diesen drei traf es Hofsjökull am schlimmsten, mit einer negativen Massebilanz von 2,09 Metern Wasseräquivalent.

Glaziologin Hrafnhildur Hannesdóttir vom isländischen Wetterdienst, interviewt von Vísir, wundert das nicht: Im Winter 2024/2025 habe es wenig Schnee gegeben, viele Niederschläge seien als Regen gefallen. Und Frühjahr und Sommer 2025  seien sehr warm gewesen. Allein der große Vatnajökull verlor elf Milliarden Tonnen Eis, Hofsjökull und Langjökull etwa drei Milliarden Tonnen. Die Gletschermessungen finden zweimal jährlich statt und werden von vier Institutionen durchgeführt: dem Wetterdienst (Veðurstofa), der geologischen Fakultät der Universität (Jarðvísindastofnun), dem Naturwissenschaftlichen Institut ( Náttúrufræðistofnun) und Landsvirkjun, landesweit für die Energieversorgung zuständig. Dazu kommen die Freiwillige, zum Beispiel  die Gletscherforschungsgesellschaft (Jöklarannsóknafélagið).

Die Temperatur des Ozeans und die Gletscher

In ihrer Mitteilung verweisen die Wissenschaftler auf einen Zusammenhang zwischen Gletscherschmelze und Temperatur der Ozeanoberfläche: Vor 2010 schrumpften die Gletscher in schnellem Tempo, während sich gleichzeitig das Wasser im Südwesten der Insel erwärmte. In der Phase 2012-2020  sanken die Wassertemperaturen etwas, und die Gletscher schmolzen langsamer. Tatsächlich hatten alle drei großen Gletscher 2015 noch einmal eine positive Massebilanz, also etwas Zuwachs. Diese Phase scheine nun vorbei, so konstatiert der Bericht. Das Meerwasser sei wieder wärmer geworden, die Gletscher schrumpften wieder schneller. 

Vorsicht vor Gletscherspalten

Das Schrumpfen hat auch Folgen für die Zugänglichkeit, sowohl für die Wissenschaftler als auch für all jene, die Touren dort unternehmen.  Die isländische Tourismusorganisation warnte nun explizit Tourenanbieter vor neuen Spalten und betonte die Notwendigkeit, sich mit dem Gebiet genau vertraut zu machen. Der Wetterdienst sei dabei, eine neue Karte für Gletscherspalten zusammenzustellen.

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2025 war das wärmste Jahr auf Island seit Beginn der Messungen

 

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