Reykjavík (Island). Die Landspitze Laugarnestangi in Reykjavík ist nun nach dem Kulturerbegesetz geschützt. Das gab die Regierung bekannt. Spuren der Besiedlung seit der Zeit der Landnahme können so in ihrer Gesamtheit erhalten werden. Die Landspitze Laugarnestangi ist aber nicht nur wegen der archäologischen Funde bekannt: Sie ist eine grüne Oase am Meer, dort befindet sich das Sigurjón-Ólafsson-Museum und das außergewöhnliche „recycelte“ Haus des Filmregisseurs Hrafn Gunnlaugsson.
Im Alltag der Stadtbewohner ist Laugarnestangi ein Naherholungsgebiet mit einem naturbelassenen Steinstrand, und einem Blick auf die Insel Viðey. Es sah dort allerdings schon einmal ganz anders aus. Davon haben Archäologen zahlreiche Spuren gefunden, darunter eine Bischofsresidenz, einen Friedhof und ein Krankenhaus. Dort standen auch Baracken der Aliierten aus dem Zweiten Weltkrieg. Mit dem neuen Schutzstatus kann so die Gesamtheit der Anlage vor Ort erhalten bleiben – und gleichzeitig weiter der Erholung der Bevölkerung dienen.
Sigurjón-Ólafsson-Museum

Heutige und historische Anlagen auf Laugarnestangi. Quelle Minjastofnun
Zu denen, die sich für den Schutzstatus eingesetzt haben, gehören die Musikerin und Videokünstlerin Þuríður Sigurðardóttir, die selbst auf Laugarnestangi aufgewachsen ist, und Birgitta Spur, die dort mit ihrem Mann, dem Künstler Sigurjón Ólafsson (1908-1982) gewohnt hat. Beide sind erfreut, dass das Gebiet nun als das Kleinod erhalten bleibt, das es ist.
Das weiße, arauffällige Sigurjón-Ólafsson-Museum ist eines der wenigen Gebäude auf Laugarnestangi und ist entstanden aus dem früheren Atelier und Wohnhaus. Sigurjón Ólafsson war ein Pionier der abstrakten Skulpturen, Werke von ihm findet man unter anderen am Haus Höfði und am Wasserkraftwerk Búrfell.
Recycled House
Noch viel ungewöhnlicher ist das Haus der Filmregisseurs Hrafn Gunnlaugsson. So schrieb der Reykjavík Grapevine einst darüber: „Das Haus von Regisseur Hrafn Gunnlaugsson liegt am Rande der Stadt und trennt Land, Meer und Meinungen. Irgendwas zwischen einem riesigen Schrotthaufen und einem verfallenden Raumschiff, fällt es schwer zu glauben, dass das Gebäude tatsächlich gebaut wurde und nicht durch seltsame Kräfte wie Magnetismus und Magie entstanden ist.“ Gunnlaugsson hat dort über Jahrzehnte Funde und Filmrequisiten zusammengetragen. Man kann es heute als „Recycled House“ auf Karten und in Beschreibungen finden und auch besichtigen.
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