Ein ungewöhnlicher Gast ist in der Ostsee eingetroffen, und man kann seine Arbeit auf Marine Traffic und ähnlichen Diensten verfolgen: Der russische Atomeisbrecher Sibir, normalerweise in der Arktis unterwegs, bricht nun Eis im östlichen Finnischen Meerbusen. Auch der dieselelektrische Eisbrecher Murmansk, zuletzt in der Jenissei-Bucht unterwegs, ist dort eingetroffen. Darüber berichteten unter anderem gCaptain und der Barents Observer.

Der russische Atomeisbrecher Sibir befindet sich aktuell auf der Ostsee, im östlichen Finnischen Meerbusen. Foto Rosatom
Es gehe darum, vorzubeugen, damit keine Krise entstehe, heißt es dazu in der Pressemitteilung der staatseigenen Gesellschaft Rosatom, unter deren Dach auch die Flotte aus Atomeisbrechern in der Arktis verwaltet wird. Verwiesen wird dabei auf die große Breite der „Sibir“, die erst Anfang 2022 ihren Dienst antrat. Es müssten ja auch große Tanker durchs Eis eskortiert werden. „Sibir“ ist 173 Meter lang und 34 Meter breit und damit aktuell der größte Eisbrecher in der Ostsee. „Murmansk“, seit 2015 im Dienst, ist mit 119,8 Metern Länge und 27,5 Meter Breite ebenfalls sehr groß. Die größten Ostseeeisbrecher sind ansonsten der schwedische Forschungseisbrecher Oden (Länge 107 Meter, Breite 25/31 Meter, seit 1989 im Dienst) und die finnische Polaris (110 Meter Länge, 24 Meter Breite, seit 2016 im Dienst).
Alles gefragt, was Eis brechen kann

Eiskarte vom 20. Februar. Quelle SMHI/FMI
Die Entscheidung, Eisbrecher aus der Arktis zu holen, illustriert, wie ungewöhnlich die aktuelle Eissituation auf der Ostsee (geworden) ist. Jedoch waren auch früher schon bei Bedarf Atomeisbrecher in die Ostsee verlegt, zum Beispiel „Waigatsch“ im Eiswinter 2011.
Finnland, Schweden und die baltischen Länder haben inzwischen alle ihre verfügbaren Eisbrecher und eisbrechenden Arbeitsschiffe eingesetzt. Auch Forschungseisbrecher Oden hat längst seinen Dienst aufgenommen. Selbst in Deutschland war jüngst ein eisbrechendes Mehrzweckschiff nötig, damit der LNG-Tanker „Minerva Amorgos“ den Hafen Mukros anlaufen konnte – das aus der Nordsee geholt wurde.
Inzwischen mehr als 180 000 Quadratkilometer Ostsee zugefroren
Nach der Eisstatistik des finnischen Meteorologischen Instituts sind auf der Ostsee inzwischen 181 000 Quadratkilometer Eis zugefroren. Seit 2011 gab es nicht mehr eine so große Eisbedeckung. Es ist an den meisten Stellen schon dicker als 10 Zentimeter, im Norden und im Osten deutlich dicker. Auch in den noch offenen Teilen der Ostsee sind die Wassertemperaturen stark gesunken. Im Bottnischen Meerbusen gibt es nun keine +2°C-Bereiche mehr. Und während es am kommenden Wochenende in Deutschland wieder wärmer werden soll, hält sich die Kälte im hohen Norden noch.
Eiskarte und Ausdehnungsumfang auf 20.2.2025 aktualisiert
Ein anderes Phänomen ist noch der niedrige Wasserstand:
