Schweden. Der 6. Juni ist Schwedens Nationaltag – als Feiertag relativ unspektakulär, verglichen mit Norwegens 17. Juni. Bedeutsam ist er aber oft für diejenigen, die neu die schwedische Staatsbürgerschaft erhalten haben, denn viele Kommunen laden sie gerade an diesem Tag zu einer Zeremonie ein. Diejenigen, die heute dabei sind, sind die Letzten nach dem alten Gesetz. Ab heute gelten strengere Kriterien. Auch die anderen nordischen Länder – und nicht nur die – haben die Hürden für die Einbürgerung in den vergangenen Jahren erhöht.
Die wichtigsten Unterschiede zum alten Recht in Schweden:
- Acht Jahre legaler Aufenthalt im Land (vorher fünf Jahre), es gibt ein paar Fälle, wo dies verkürzt werden kann.
- Nachweis von Sprachkenntnissen (Ausnahmen u.a. für Senioren) sowie Kenntnissen über die schwedische Gesellschaft (wird schrittweise eingeführt)
- Nachweis, dass man sich selbst versorgen kann (ca. 20 000 SEK im Monat, ca. 1830 Euro). Es reicht nicht, mit einer Person verheiratet zu sein, die Geld verdient.
- Man sollte einen „anständigen und ehrlichen Lebensstil“ haben
Langsame Behörde hat schnellere Einbürgerung ausgebremst
Es sind nun diejenigen enttäuscht, die auf eine Zukunft in Schweden setzen und noch drei Jahre länger warten müssen, um beispielsweise wählen zu können. Viele davon erfüllten sogar die alten Kriterien und hatten ihren Antrag auf Einbürgerung schon gestellt. Doch aufgrund der langen Bearbeitungszeiten in der Ausländerbehörde wurde er nicht rechtzeitig genehmigt. Eine Übergangsfrist ist nicht vorgesehen – ab Montag soll alles nach den neuen Kriterien beurteilt werden. Laut SVT lagen Ende Mai 100 000 Anträge bei der Ausländerbehörde. Für 13 000 Fälle gab es sogar ein Gerichtsurteil, das die Behörde zu einer schnellstmöglichen Behandlung aufforderte.
Ähnliche Kriterien in den anderen nordischen Ländern
Tatsächlich haben die anderen nordischen Länder ähnliche Regeln bereits eingeführt. In Finnland und Norwegen werden inzwischen auch acht Jahre Aufenhalt gefordert, auf Island sieben, in Dänemark neun. Schneller geht es für diejenigen, die aus einem anderen nordischen Land kommen oder mit einer Person verheiratet ist, die bereits die jeweilige Staatsbürgerschaft besitzt.
Sprachkenntnisse sind Pflicht
In allen genannten Ländern müssen inzwischen Sprachkenntnisse nachgewiesen werden. Im offiziell zweisprachigen Finnland kann dies Finnisch oder Schwedisch sein. Für diejenigen, die in Grönland oder auf den Färöern wohnen, sind die Anforderungen an die Dänischkenntnisse weniger streng. In Dänemark und Norwegen muss man außerdem einen Test mit landeskundlichen Fragen bestehen.
Sauberes Führungszeugnis und Job
Es finden sich auch überall Forderungen nach einem sauberen Führungszeugnis und einem Job, um sich selbst versorgen zu können, in unterschiedlicher Ausformung.
Neben vielen ähnlichen Grundsätzen gibt es natürlich auch viele Unterschiede in den Einbürgerungsgesetzen. Eine detaillierte Analyse würde hier aber den Rahmen sprengen.
Früherer Artikel zu Politik in Schweden:
Die Falschen ausgewiesen: Schweden muss Politik korrigieren

