Unter dem Dach der Familie – Nordische Filmtage 2026

„Buddenbrooks p:reloaded“ ist das Thema der Retrospektive der diesjährigen Ausgabe der Nordischen Filmtage in Lübeck vom 4. bis zum 8. November. Unter dieses Dach passen aktuelle und historische Werke mit unterschiedlichen Perspektiven. Dazu gibt es Überschneidungen zum Schwerpunkt Sápmi. Außerdem: Aktuelle Dokus und Kurzfilme sowie immersive Bild-und Sounderlebnisse im 360-Grad-Erlebnisse. Der Kartenvorverkauf beginnt am 24. Oktober. 

La Pietá, Foto SUICAfilms / AXfilms / Studio Nominum

Einiges ist neu an der diesjährigen Ausgabe: Der Vorverkauf findet künftig nur noch online statt, die Vorverkaufsgebühr fällt weg, es gibt teilweise Preiserhöhungen, aber auch drei neue Modelle für Pässe mit Preisermäßigungen. Vor dem eigentlichen Start der Filmtage wird es im 360-Grad-Kino auch einen kostenlosen Ozeantag geben. Während des Festivals kann man Tickets auch am Schalter kaufen – die, die dann eben noch übrig sind. Wie immer hat das Publikum aber eine Riesenauswahl mit 186 verschiedenen Filmen. Über die Hälfte davon lässt sich auch streamen! 

Das alte Haus und die Gletscher

Wie immer wird es auch viel Natur zu sehen geben, sowohl im immersiven 360-Grad-Kino als auch auf der klassischen Leinwand. Darunter „La Pietá“, was vielleicht nicht sehr isländisch klingt, aber ein spanisch-litauisch-isländischer Dokumentarfilm über ein altes Bauernhaus und inzwischen verstorbene Geschwister, die die Entwicklung der isländischen Gletscher dokumentierten ist. Inklusive historischer Aufnahmen und dem heutigen Mr. Gletscherfotograf himself, Ragnar Axelsson.

Elemente in Bewegung

Ein anderer Film über das sich wandelnde Klima ist „Feuer, Wasser, Erde, Luft“ – die Elemente, die in Bewegung gekommen sind, von Waldbrand bis Überschwemmung, von Erdrutsch bis Sturm. Diese grenzübergreifende nordische Doku zeigt verschiedene Menschen, die die Zeichen der Zeit erkannt haben, und versuchen, etwas zu tun. 

Die Flagge mit der roten Sonne

Erfalasorput. Foto Johannes Müller

Wie die grönländische Flagge aussieht, dürfte inzwischen bekannt sein, nachdem die Insel „dank“ Donald Trump kaum aus den Schlagzeilen kommt. Sie ist noch nicht sehr alt – der Künstler Thue Christiansen entwarf sie 1985, er starb vor vier Jahren. Johannes Ujo Müller hat einen Film über die „Erfalasorput“ gedreht, in dem der Künstler noch selbst zu Wort kommt, und die zum Symbol für den Drang zur Selbstbestimmung des Landes geworden ist.

Wenn Artefakte nach Hause kommen

Den Schwerpunkt Sápmi hat Ehrenpreisträgerin Anne Lajla Utsi kuratiert.  Zu den fünf ausgewählten Filmen gehört „Mácchan“ – „Homecoming“ von Suvi West über die Rückführung samischer Artefakte aus europäischen Museen. Der Film zeigt, welche Emotionen dies weckt und welche Rolle diese Gegenstände noch heute für die kulturelle identität spielen. 

Über den Tod hinaus

Eine Matrosengeschichte/No Rest for the Wicked. Foto Salzgeber

Die dänisch-färöische „Matrosengeschichte“ von Kasper Kalle, international „No Rest for the Wicked“ ist ein etwas ungewöhnlicher Einschlag im Familienthema. Nicht nur, dass es sich um eine schwule Liebesgeschichte auf den Färöern im 19. Jahrhundert handelt. Sie endet auch nicht mit dem Tod, sondern im Vampirismus. Die Vorlage dafür ist übrigens eine Novelle namens „Manor“ von Karl Heinrich Ulrichs aus dem Jahr 1884 / 1885.

Das gesamte Programm: https://nordische-filmtage.de/de

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