Für mehr Transparenz und Tierwohl im Husky-Business

Michelle Abert, 32, hat eine Vermittlungsagentur für Schlittenhundetouren gegründet. Dabei nimmt sie nur Firmen auf, bei denen sie überzeugt davon ist, dass das Tierwohl stimmt. In diesem Interview berichtet sie von ihren schlechten Erfahrungen in der Branche – und warum sie meint, dass es mehr Transparenz im Schlittenhunde-Tourismus geben muss.

Michelle Aber und die Hunde Ikea und Keona. Foto privat

(Oktober 2026) Ein Zufallsbesuch auf einer Husky-Farm in Nordschweden und Corona – diese beiden Komponenten waren entscheidend, um das Leben der Wiener Fotografin Michelle Abert komplett zu ändern. Sie verliebte sich in die Hunde, sie lernte Gespanne fahren, stieg ein ins Musher-Business und wieder aus. Denn der Traumjob mit den Tieren erwies sich als Albtraum für die Tierfreundin – später wurde ihrem ehemaligen Arbeitgeber wegen Verstößen gegen das Tierwohl sogar die Lizenz entzogen.

Hunde sind sozial: Edda und Ikea Foto Michelle Abert

Heute lebt die 32-Jährige im schneereichen Dorotea (Västerbotten, Schweden) und das Fahren mit dem Hundegespann liebt sie immer noch, Doch sie geht nur noch privat auf Tour, mit den sechs eigenen Hunden, die sie inzwischen hat: „Diese magischen Momente, die man zusammen mit seinen sechs besten Freunden hat, sind einfach unbeschreiblich.“

Wie sollen Touristen, die eine Husky-Safari oft schon von Zuhause aus buchen, wissen, welches Unternehmen seine Hunde gut behandelt und welches nicht? Mit der Gründung von Freke – ethical-dogsledding.com will Michelle Abert Standards schaffen und Maßstäbe setzen – und nur solche Anbieter vermitteln, von denen sie überzeugt ist.  „Freke“ ist übrigens einer der Wölfe Odins in der Nordischen Mythologie, aber auch ein echter Hund, das Maskottchen des jungen Unternehmens.

Wie man Schlittenhundeguide wird

Ich meine zu hören, dass du von weiter südlich kommst – was hat dich in den Norden getrieben?

Michelle Abert: Ja, ich komme aus Österreich. Ich bin keine echte Wienerin in den Augen der anderen Wiener, aber ich habe dort gelebt, seit ich drei Jahre alt bin. Ich bin ganz zufällig auf einer Interrailreise mit meiner Cousine zum ersten Mal nach Nordschweden gekommen, und ich war ganz ergriffen von der Welt da oben. Ein paar Jahre später bin ich wieder zurückgekommen, weil mich das einfach nicht mehr losgelassen hat. Die Möglichkeit dazu hat mir die Pandemie gegeben: Dadurch, dass alles irgendwie pausiert war, hatte ich den Freiraum, auch mal was Neues auszuprobieren. Ich war sehr naiv, muss ich ganz ehrlich sagen, ich hatte überhaupt keine Ahnung. Aber ich bin sehr froh, dass ich den Schritt gegangen bin.

Du sagt, du warst so naiv? In welcher Hinsicht?

Wintertraum. Foto Michelle Abert

Das war eine sehr spezielle Situation. Ich bin nämlich einfach auf der Huskyfarm in Jukkasjärvi aufgeschlagen, und man musste mir erklären, wie man einen Hund streichelt. Ich wusste gar nichts, und die haben mir einen Job als Guide auf dem Hundeschlitten angeboten. Ich dachte, na ja, wenn die mir das zutrauen, dann werde ich das wohl auch hinbekommen. Im Endeffekt habe ich es hinbekommen, aber der Job war dann doch um einiges intensiver, als ich gedacht hatte.

Ich war auch z.B. noch nie im Winter in Nordschweden, als ich mich dazu entschieden hatte, sechs Monate da zu arbeiten. Das meine ich mit naiv.

Was hattest du für Vorstellungen vorher, bevor du dann diesen Job angenommen hast?

Ich habe das vielleicht mal im Fernsehen gesehen, aber ich bin wirklich nur dadurch zu der Schlittenhunde-Farm gekommen, weil die das AirBnB-Angebot hatten und ich dort auf der Interrailtour ein paar Tage gewohnt habe. Dann habe ich diese ganzen Hunde gesehen, und wurde eingeführt von einer, die dort gearbeitet hat und die hat mir gleich ihre Welpen gezeigt und mir Sachen erklärt. Die Huskys waren dann natürlich auch noch mal was ganz Spezielles. Die haben ihren eigenen Charakter und dann verliebt man sich natürlich in die Hunde.

„Es sind diese einzelnen Charaktere, die man nicht vergisst“

Das war der Grund, warum ich geblieben bin, obwohl die Zeit für mich dort nicht einfach war, aber ich habe immer dieses Gefühl gehabt: Ich muss für die Hunde da sein. Es sind diese einzelnen Charaktere, die man da nicht vergisst. Ich habe immer noch ganz viele Hunde im Kopf, die ich verlassen musste, weil ich in der Firma nicht mehr gearbeitet habe, aber die mich nicht mehr loslassen. Ich hoffe, denen geht es gut.

Du sagst, sie haben dir einen Job als Guide gegeben und letztlich hast du es hinbekommen, aber das muss eine recht steile Lernkurve gewesen sein.

Unterwegs mit Hunden. Foto privat

Ja! Angefangen hat es damit, dass sie mir beigebracht haben, wie ich die Hunde füttere und die Zwinger saubermache. Dann ging es weiter damit, dass ich gelernt habe, wie man das Herbsttraining macht. Und dann saß ich das erste Mal auf dem Schlitten, also als Passagier, und dann wurde ich die Person, die selber gefahren ist. Da war aber immer der Druck im Hintergrund: Am 4. Dezember – kann ich noch ganz genau erinnern – da muss ich die Tour selber mit Gästen fahren. Und als ich dann am 4. Dezember dort mit schlotternden Knien ankam, fragt mich die Kollegin: „Traust du dir das zu“, und ich habe gesagt: „Habe ich eine Wahl?“ und sie: „Nein, du hast keine Wahl.“ So ist es dort abgelaufen.

War das dann so, dass die Passagiere bei dir auf dem Schlitten saßen oder… ?

Genau, mit diesen Touren, fängt man an, wenn man, egal wo, als Guide arbeitet. Man hat bis zu vier Passagiere, das heißt, der Schlitten ist ganz schön schwer. Und dann hat man ein Zwölfer-Gespann. Das heißt, wenn man um die Kurve fährt, sieht man kaum noch die ersten Hunde. Es ist ein wirklich langes Gespann mit sehr viel Kraft. Da kann man sich keine Fehler erlauben. Warum immer die Anfänger diese Schlitten fahren müssen, ist mir ein Rätsel, weil es viel einfacher wäre, wenn man selber einen Schlitten mit vier bis fünf Hunden fährt und Gäste hinter sich hat und auf diese achtet. Aber so fängt man überall an. Und wenn man das geschafft hat, dann darf man irgendwann einmal diese Touren leiten, wo die Gäste selber fahren.

Der Ex-Arbeitgeber in den Schlagzeilen

Dein damaliger Arbeitgeber Jukkasjärvi Vildmarksturer hatte ein gewisses Medienecho, weil es tatsächlich so weit gekommen ist, dass man sie verboten hat. Wie sehr hat dich das geprägt?

Lizenz entzogen - Was 2024/2025 geschah

Im Oktober 2024 entzog die regionale Verwaltung (Länsstyrelse) von Norrbotten dem Betrieb Jukkasjärvi Vildmarksturer AB (JVT) die Lizenz nach dem Tierschutzgesetz zur berufsmäßigen  Haltung von Hunden. Dem vorausgegangen waren mehrere Kontrollen, bei denen die Aufsicht Missstände angemahnt hatte, die nicht beseitigt worden waren. Unter anderem seien zu viele Hunde gehalten worden, es habe Fälle gegeben, wo Hunde tierärzliche Versorgung benötigt hätten und die Hundehütten seien nicht ausreichend ausgestattet und isoliert gewesen. Die Firma versuchte mehrfach, die Lizenz wiederzubekommen. Dies wurde jedoch aufgrund immer noch vorhandener Mängel abgelehnt.

Anfang 2025 berichteten Medien dann, dass JVT immer noch aktiv sei. JVT-Gründer Mats Rullander sagte damals gegenüber den Medien, man habe keine eigenen Hunde mehr, man vermittle lediglich die Touren von anderen Unternehmen und erhalte dafür eine Provision. Außerdem biete man noch weitere Aktivitäten ohne Hunde an. Siehe auch: Schweden: Verwaltung entzieht Betrieb Lizenz für Hundetouren und Trotz Verbot: Unternehmen bietet weiter Hundetouren an). 

Michelle Abert: Ich habe dort für zwei Winter gearbeitet. Als der große Artikel bei Dagens Nyheter über diese Firma herausgekommen ist, war ich schon weg. Daraus hat sich ein Shitstorm entwickelt. Auf Google und auf TripAdvisor wurde alles gestoppt, sodass sie keine Reviews mehr bekommen konnten.

Aber es hat noch einmal eine Zeit lang gedauert, bis auch der Staat eingegriffen hat, obwohl die Missstände seit langem bekannt waren. Es hat eben auch die Medien gebraucht, damit der Staat wirklich eingreift.

„Es hat auch die Medien gebraucht, damit der Staat wirklich eingreift“

Das, was in den Medien war, und das, was Länsstyrelsen (die zuständige Verwaltung in Norrbotten) im Endeffekt kritisiert hat, sind vielleicht für 15 Prozent von dem, was wirklich passiert ist. Die Zeit dort hat mich traumatisiert. Das sind Sachen, die werde ich niemals vergessen, was auch einer der Gründe ist, warum ich im Schlittenhundetourismus nicht mehr arbeite.

Ein Beispiel aus dem Alltag: Wenn da Hunde miteinander gekämpft haben, und ein Hund hat sich verletzt, dann hieß es: „Okay, wir warten erst mal ab.“ Ich hätte den Hund einfach einpacken und zum Tierarzt fahren sollen, aber ich war ja dort das kleinste Rad. Der Hund ist dann halbe Stunde später gestorben. Dann wurde gesagt, „Es war ein guter Hund, hol einen blauen Sack. Schwarze Säcke sind für schlechte Hunde.“ Das heißt, ich habe diesen Hund, der vor einer halben Stunde noch gelebt hat, in einen Sack gegeben. Dieser Hund wurde dann auf den Anhänger mit der ganzen Hundescheiße geladen, und alles wurde einfach zur nächsten Deponie gebracht. Das war das Ende von diesem Hund und vielen anderen.

„Es war ein guter Hund, hol einen blauen Sack“

Der Chef hat auch eigenhändig „Abtreibungen“ vorgenommen, die billigste Art: Die Mutter hat die Welpen bekommen, und dann hat er den Welpen den Hals umgedreht. Das habe ich allerdings nicht selbst gesehen, das hat in der Früh gemacht, bevor jemand gekommen ist. Seine Begründung war immer, „die Hunde fühlen nichts. Dass du jetzt traurig bist, ist ein menschliches Gefühl und den Hunden geht es nicht so“. Das glaube ich absolut nicht, die Mutter sucht ja ihre Welpen, nachdem das passiert ist.

Es sind auch immer wieder mal Hunde einfach so verschwunden Wir haben deswegen immer wieder kranke Hunde vor unserem Chef versteckt und gesagt, „ dem geht’s gut, alles in Ordnung“, weil wir Sorge hatten, dass er am nächsten Tag in einem Sack landet.

Das sind nur ein paar Beispiele. Ich bin dort weggegangen, aber es gibt Leute, die sind geblieben und das kann ich nicht verstehen.

Die Rolle der Vermittlungsagenturen

Weißt du, wie es mit JVT weiterging?

Michelle Abert: Nachdem JVT die Lizenz entzogen wurde, haben sie trotzdem weitergemacht, gewissermaßen als Subunternehmer. Es gibt eine neue Firma, die die Touren verkauft, aber keine Hunde und keine Mitarbeiter hat. Und durch dieses Loop Hole ist es für sie möglich, dass sie bis heute ganz normal arbeiten.

Situation heute - Antwort Länsstyrelse Norrbotten

Anfrage polarkreisportal.de: …Die Website von JVT sieht genauso aus wie früher. Dort werden verschiedene Touren angeboten, unter anderem Hundeschlittentouren. Auf Allabolag steht, dass das Unternehmen aktiv ist und 12 Mitarbeiter beschäftigt; Geschäftsführer ist Mats Rullander. Haben sie die Genehmigung zurückerhalten? Konnte das Unternehmen nachweisen, dass sich die Situation verbessert hat?

Unter derselben Adresse in Kiruna, Timmerstigen 8, gibt es auch ein Unternehmen namens Oinakka Activity Tours, das ansonsten nicht besonders aktiv zu sein scheint und nur einen Mitarbeiter beschäftigt. Wie sieht der Zusammenhang aus?

Ich bitte um Auskunft darüber, wie die rechtliche Situation bezüglich JVT derzeit aus Sicht der Bezirksverwaltung aussieht und ob Kontrollen stattgefunden haben, um zu überprüfen, ob die Situation „vor Ort“ so ist, wie sie sein sollte.

Antwort Länsstyrelse Norrbotten: …Es stimmt, dass JVT die Genehmigung entzogen wurde; eine neue Genehmigung wurde ihnen nicht erteilt.

Auf dem Gelände wird nun ein Unternehmen namens Oinakka Activity Tours betrieben; dieses hat eine Genehmigung für seine Tätigkeit erhalten und wurde seitdem regelmäßigen Tierschutzkontrollen unterzogen.

Wie ein Unternehmen aufgebaut ist und wie es beispielsweise seine Aktivitäten vermarktet, ist nicht Gegenstand der Genehmigungsprüfung. Wir prüfen, ob ausreichend kompetentes Personal vorhanden ist und ob die Anlage so gestaltet ist, dass sie den Bedürfnissen der Hunde gerecht wird, damit das Tierschutzgesetz eingehalten wird.

Sie bekommen keine Gäste mehr, die direkt buchen, weil der Name so verbrannt ist, aber sie bekommen immer noch sehr, sehr viele Gäste von Vermittlungsagenturen, weil es diesen egal ist. Das heißt, sie können dank dieser Vermittlungsagenturen überleben. Die Leute sagen, ich habe bei XY gebucht, aber das ja nur die Firma, die das vermittelt hat. Dann kommen sie dort an und wissen gar nicht, bei welcher Firma sie sind. Das war schon in der Zeit so, in der ich dort war, und deswegen sehe ich die Verantwortung auch bei den Vermittlungsagenturen.

„Es muss sich etwas ändern in der Transparenz gegenüber den Gästen“

Und um jetzt den Kreis zu schließen: Das ist der Grund warum ich diese Firma gegründet habe. Es braucht gute Vermittlungsagenturen und es muss sich etwas ändern in der Transparenz gegenüber den Gästen.

Das Ziel ist, dass Freke Ethical Dogsledding.com das Beispiel wird, wo alle anderen nachziehen müssen, also alle anderen Vermittlungsagenturen genauso operieren wie wir. Dass sie ihre Anforderungen ganz transparent auf die Website stellen und auch genau sagen, bei welcher Firma sie denn tatsächlich gebucht haben.

Also nicht nur romantische Bilder, sondern Fakten.

Genau. Die Gäste sehen immer diese romantischen Bilder, nehmen an, dass der Staat genug kontrolliert, dass es solche Firmen nicht gibt, die wirklich schlimme Dinge den Hunden antun. Jede Firma gibt auf ihrer Website an – die Husky-Farmen selber, aber auch die Vermittlungsagenturen – , dass das Tierwohl bei ihnen an erster Stelle steht.

Drei Länder, drei Gesetze

Siehst du Unterschiede zwischen den Ländern?

Unterwegs mit Hunden i Nordschweden. Foto Michelle Abert

Michelle Abert: In Schweden sind die gesetzlichen Regelungen am strengsten. Da besteht eine Pflicht für einen Zwinger, der eine gewisse Größe hat.

In Norwegen sind Zwinger nicht Pflicht, da kann man die Hunde auch an der Kette halten, das machen die meisten Firmen. Auch in Finnland ist Kettenhaltung und Zwingerhaltung erlaubt, aber die Zwinger dort müssen nicht so groß sein wie die in Schweden.

Das heißt, für den Gast ist es schon einmal sehr schwierig, herauszufinden, was okay und was nicht okay ist, weil die gesetzlichen Regelungen unterschiedlich sind.

„Hunde sind sehr sozial und sehr körperbetont. Deswegen halte ich Kettenhaltung für problematisch“

Da ich selber aus der Schlittenhundeszene komme und selber Hunde habe, sehe ich was die für Bedürfnisse haben. Hunde sind sehr sozial und sehr körperbetont .Das heißt, sie wollen immer sehr gerne nah bei ihren Artgenossen sein. Von meinen sechs Hunden schlafen fünf in einem Haufen, wenn sie können. Die wollen diese Nähe haben, deswegen halte ich Kettenhaltung für problematisch. In den Freke-Kriterien ist Kettenhaltung nicht erlaubt, egal in welchem Land.

Bei Kettenhaltung sind die Hunde immer alleine an einer Hütte und haben nur in der Zeit, in der sie im Freilauf sind, die Möglichkeit mit anderen zu interagieren. Das sehe ich als zu wenig Zeit an.

Siehst du noch andere Unterschiede, zum Beispiel hinsichtlich der Kontrollen?

In Finnland ist immer ein Tierarzt dabei oder ist derjenige, der das alleine kontrolliert. Da sind die Kontrollen auch – soweit ich das bisher gehört habe – etwas regelmäßiger. Dadurch, dass das ein Tierarzt ist, kann der ganz andere Sachen kontrollieren. In Schweden sind das Leute, die keinen tierärztlichen Hintergrund haben müssen. Die haben eine Checkliste, die sie durchgehen, da geht es mehr um Abmessungen: wie groß ist der Zwinger, wie groß sind die Hunde, wie groß sind die Hütten.

„Es sollte eine Regelung für alle Länder geben“

Ich meine, es sollte eine Regelung für alle Länder geben. Ein Gast, der einmal eine Husky-Tour machen will, liest sich in die verschiedenen gesetzlichen Voraussetzungen der einzelnen Länder nicht ein – er erwartet aber, dass auf der Website, wo er bucht, alle vergleichbar sind.

Freke Ethical Dogsledding.com ist der Versuch, anhand der Kriterien, die ganz transparent auf unserer Website einsehbar sind, einen besseren Überblick zu bieten, weil die Kriterien für jedes Land und für jede Firma gleich sind.

Ein Tierwohl-Check für Husky-Farmen – wie lässt sich das umsetzen?

Michelle Abert: Ich habe inzwischen einige andere Husky-Farmen besucht, und das hat mir ein bisschen die Hoffnung zurückgegeben, dass es doch gute Leute gibt. Die darüber hinaus gehen, was mir eingefallen wäre, die Hunde überdurchschnittlich gut behandeln.

Vierergespann. Foto Michelle Abert

Und ich dachte mir, es ist eigentlich unfair, diesen Leuten den Ruf zu zerstören. Ich sehe einen Wert darin, diesen Sport zu erhalten und nicht alle über einen Kamm zu scheren.

Aber: Diese guten Firmen sind genauso gelistet wie eben jene Firmen, die wegen ihrer Verstöße in den Medien waren. Da will ich ansetzen und sagen: Es ist lohnt sich, diese guten Firmen zu unterstützen und dadurch eine Veränderung zu schaffen.

Wie lässt sich das kontrollieren?

Es ist für den Gast eigentlich unmöglich, das herauszufinden, online genauso wie vor Ort, da die Leute, die dort arbeiten, immer sehr überzeugend sind, das ist deren Job. Die machen quasi den ganzen Tag nichts anderes, als die Leute zu beruhigen, dass das Tierwohl in dieser Firma gut ist.

Ich versuche den Unterschied zu machen, weil ich selbst aus der Szene komme und die Firmen auch besuche. Ich fahre dort wirklich hin. Ich gebe mein Bestes. Ich bin natürlich nicht jede Woche da. Aber indem man da durch geht und einen geschulten Blick hat, sieht man schon einige Sachen, zum Beispiel: Wie fasst sich der Hund an? Hat der sehr staubiges, fettiges Fell? Oder hat er ein schönes, glänzendes Fell? Darüber kann man schon sehr viel über die Fütterung und auch die Pflege des Fells sehen.

„Wie viel Geld, wie viel Zeit investieren die Firmen in den Hund?“

Aufmerksamer, gesunder Hund: Ikea. Foto Michelle Abert

Da sieht man dann auch: Wie viel Geld, wie viel Zeit investieren die Firmen in den Hund? Eine andere Sache sind zum Beispiel die Zähne. Die werden natürlich irgendwann einmal schlechter, aber haben alle Hunde sehr viel Plaque auf den Zähnen, sieht man, dass nicht sehr auf die Gesundheit und die regelmäßigen Kontrollen dieser Hunde geschaut wird.

Schaut man sich zum Beispiel die Zwingeranlage an, und es steht irgendwo ein Nagel raus, oder das Dach ist vielleicht undicht, dann sieht man auch, dass da wenig Geld investiert wird.

Und wenn man sich dann im Gegensatz dazu die Fotos anschaut und sieht, dass die Gäste aber die neuesten Jacken bekommen, dann ist ja Geld da, es wird nur nicht in die Hunde investiert.

Ich würde jetzt mal behaupten, dass ich – und die Berater, die ich habe – dass wir das besser als ein Gast abschätzen können.

Zukunftspläne

Wie ist die Resonanz bisher auf dein Projekt?

Michelle Abert: Ich würde sagen, gut! Die Schlittenhundefirmen sind alle begeistert. Die wollen sich ja abheben von der Masse. Die machen ja schon mehr als die anderen. Für die ist es ein Ritterschlag von uns, wenn wir als „third party“ sagen, dass wir davon überzeugt sind, dass sie einen extraguten Job machen. Aber wir sind erst seit dem 1. Juni online, und es wird sicher ein paar Jahre dauern, bis es so richtig läuft.

Michelle Abert und SkipBo. Foto Michelle Abert

Zurzeit ist es natürlich erst einmal ein Nebenjob, der aber trotzdem acht Stunden am Tag einnimmt. Aber ich glaube ganz tief und fest an diese Idee, und auch daran, dass es für mich irgendwann einmal etwas sein wird, wovon ich leben kann, über die Provisionen. Ich bin aber sehr bedacht darauf, welche Firmen auf die Website kommen, der Prozess ist recht lang.

„Der Prozess ist recht lang“

Zuerst schaue ich vorher die Firmen- Website an, schaue auf Google Maps, ob die tatsächlich alle Zwinger haben, bevor ich die überhaupt anschreibe. Ich bekomme natürlich auch Insider-Tipps, ich habe Freunde, die in den verschiedenen Ländern gut vernetzt sind. Dann gebe ich den Firmen einen Katalog, der drei Seiten lang ist. Wenn sie bereit sind, sich das ganz konkret durchzulesen, und das auch gut finden, dann machen wir ein Gespräch aus.

In dem Gespräch gehe ich mit ihnen den ganzen Fragenkatalog durch, und das wird protokolliert, um im Nachhinein nachvollziehen zu können, was sie tatsächlich zu den verschiedenen Fragen gesagt haben. Falls es von beiden Seiten funktioniert, nehmen wir die Firma auf die Website, und kontrollieren diese Firmen innerhalb des ersten Jahres, in dem sie auf unserer Website sind.

Du fährst also tatsächlich überall hin? Die Wege sind ja nicht so kurz…

Das nicht! Aber bis zum 8. Oktober habe ich tatsächlich sieben von neun unserer aktuellen Partner kontrolliert. Es geht langsam, aber ich sehe keinen Sinn darin, auf einmal sehr viele Touren anzubieten, und dann zu denken „hoffentlich passt’s!“. Es wäre für mich der absolute Horror, eine Firma zu haben, die dann groß negativ in den Medien ist, dann ist die Sache gestorben. Das könnte ich auch nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Das ist ja der Grund, warum ich das mache.

Also, es braucht alles lange, aber das lernt man auch mit den Hunden: Geduld ist wichtig!

Interview: Andrea Seliger