Norwegen/Russland. Der russische Fischereikonzern Norebo hat den norwegischen Staat wegen der gegen ihn verhängten Sanktionen verklagt. Denn Norebo ist trotz des russisch-norwegischen Fischereiabkommens von Aktivitäten innerhalb der norwegischen ökonomischen Zone ausgeschlossen – dessen Flotte steht unter Spionageverdacht. Der Prozess begann gestern in Oslo. Darüber berichtete NRK.

Barentssee, Grense Jakobselv, Norwegen. Norebo-Schiffe dürfen die norwegische ökonomische Zone nicht befahren.
Norebo, mit Sitz in Murmansk, ist Russlands größter Fischereikonzern, und einer der größten überhaupt weltweit. Gegründet wurde er 1997 als Ocean Trawlers von dem aus Murmansk stammenden Witalij Orlow und dem Schweden Magnus Roth. Die beiden arbeiteten zuvor bei demselben Fischereiunternehmen in Drøbek, Norwegen. Orlow war eine Zeit lang auch norwegischer Staatsbürger. Heute gehören 16 Reedereien mit mehr als 40 Trawlern und Fabrikschiffen zum Konzern. Magnus Roth verkaufte seine Anteile 2016 an Orlow. Forbes schätzt Orlows Vermögen heute auf 1,2 Milliarden Dollar, 2025 waren es allerdings noch 2 Milliarden Dollar.
EU-Sanktionen gegen Norebo JSC und Murman Seafood 2025
Die Fischereiunternehmen Norebo JSC und Murman Seafood wurden im Rahmen des 17. Sanktionspakets von der EU sanktioniert, im Mai 2025. In der Begründung heißt es unter anderem, die Schiffe der Flotte zeigten Bewegungsmuster, die nicht zu normalen wirtschaftlichen Praktiken und Fischereiaktivitäten passten. „Die Bewegungsmuster deuten auf böswillige Absichten hin, wie beispielsweise das wiederholte Aufhalten in der Nähe von oder das Herumlungern bei kritischen Infrastruktureinrichtungen und militärischen Standorten.“ Die Unternehmen stehen deshalb im Verdacht, Spionage zu betreiben.
Norwegisch-russische Fischereizusammenarbeit
Norwegen ist bekanntlich nicht EU-Mitglied, hat sich aber den meisten Sanktionen gegen Russland angeschlossen. Als Anlieger der Barentssee betreiben Norwegen und Russland dort allerdings eine gemeinsame Fischereipolitik, bei der vor allem der Kabeljau wichtig ist. Dieser verbringt seine Lebensphasen in verschiedenen Regionen der Barentssee, zu beiden Seiten der Grenze. Für die Fischerei besonders interessant ist die Phase, in der es den erwachsenen Kabeljau zu den Laichgebieten vor der norwegischen Küste zieht. Das Fischereiabkommen gestattet russischen Trawlern, einen Teil ihrer Quote in der norwegischen ökonomischen Zone zu fangen.
Kooperation trotz Sanktionen
Seit Norwegen die Sanktionen gegen Norebo und Murman Seafood implementiert hat und die Lizenzen nicht erneuerte, sind Schiffe dieser beiden Reedereien jedoch von der Fischerei in der norwegischen ökonomischen Zone (200-Seemeilen-Zone) ausgeschlossen, was für sie einen Verlust bedeutet. Russland hatte deshalb schon mit dem Ende der Fischereizusammenarbeit gedroht. Letztlich kam es aber doch zu einem neuen Abkommen.
Norebo bestreitet die Vorwürfe und hat nun also gegen die Sanktionierung in Norwegen geklagt. Im Januar 2026 hatte das Amtsgericht in Oslo Norebos Antrag abgelehnt, die Sanktionierung bis zum Urteil im Hauptverfahren auszusetzen.
Norebo verklagte auch den Barents Observer
Norebo hat auch das norwegische Online-Medium Barents Observer verklagt, das mehrfach über Norebo berichtet hatte – in London. Norebo meint, dabei habe es sich um Verleumdung gehandelt. Sollte es zu einem Prozess kommen, würde dies die finanziellen Möglichkeiten des Mediums aus Kirkenes, das auf Englisch und Russisch veröffentlicht, voraussichtlich an seine Grenzen bringen.
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