Spitzbergen (Norwegen). Wenn es weniger Meereis gibt und Eisbären auf Spitzbergen mehr Zeit an Land verbringen – jagen sie dann öfter Rentiere, und wenn ja, wie? Dazu liegen inzwischen mehr Beobachtungen vor. Das Norwegische Polarinstitut berichtete jüngst über die vorliegenden Daten. Wer auf Spitzbergen unterwegs ist, wird auch weiterhin gebeten, seine Beobachtungen dem Institut mitzuteilen.
In den vergangenen fünf Jahren bekamen die Wissenschaftler des Instituts 150 Meldungen von 66 Personen – von der Lokalbevölkerung, Tourguides, Touristen und natürlich auch von Kollegen. In 63 Fällen ist dokumentiert, dass der Eisbär bei der Jagd erfolgreich war. Es gab außerdem Fälle, wo man annahm, dass die Jagd erfolgreich war, sie ist aber nicht dokumentiert. In 28 Fällen war der Eisbär bei seiner Jagd nicht erfolgreich. Insgesamt wurden 236 Funde von Rentierkadavern gemeldet, die entweder auf eine erfolgreiche Jagd zurückzuführen waren oder von denen ein Eisbär fraß, als das Tier schon tot war.
Verschiedene Jagdtechniken
Für die Forscher waren besonders die Beobachtungen der Jagdtechniken interessant: Es gab nämlich verschiedene. Besonders erfolgreich waren die Eisbären jeweils dabei, ihre Beute bergab zu treiben. Dies gelang in allen zehn beobachteten Fällen. Die größten Chancen, zu entkommen, hatte ein Rentier bei einer längeren Verfolgungsjagd an Land (57% für das Rentier, 7 Fälle). In 32 Fällen ist dokumentiert, dass der Eisbär versuchte, sich anzuschleichen. Damit war er in gut der Hälfte der Fälle erfolgreich (56%).
„Robben nicht durch Rentiere ersetzt“
Das Fazit: „Man kann nicht behaupten, dass Eisbären Robben durch Rentiere in ihrem Speiseplan ersetzt haben. Beobachtungen deuten jedoch darauf hin, dass Rentiere für Eisbären, die sich an Land aufhalten, eine zunehmend wichtige Nahrungsquelle zu werden scheinen“, so Eisbärforscher Jon Aars.
Der Rentierbestand auf Spitzbergen ist dadurch nicht bedroht – die Zahlen steigen. Allerdings gab es jüngst eine Serie mysteriöser Rentier-Todesfälle ganz ohne Eisbär-Beteiligung: Spitzbergen: Rätsel um verstorbene Rentiere im besten Alter
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