Preise des Nordischen Rates: Norwegen räumt ab

Das gab es noch nie in der Geschichte des Nordischen Rates: Zum ersten Mal gehen alle vier Kulturpreise und der Umweltpreis in dasselbe Land – Norwegen. Die Preisträger würden jeweils von einer eigenständigen Jury gekürt, heißt es dazu in der Pressemitteilung des Nordischen Rates. Der ausgewählte Roman erschien übrigens gleichzeitig auf Norwegisch und Samisch. Die Preisverleihung findet im Zusammenhang mit der Session des Nordischen  Rates am 27. Oktober  in Helsinki statt.

Literatur: Sigbjørn Skåden, Láŋtdievvá / Planterhaug

Autor Sigbjørn Skåden. Foto Knut Åserød/ Cappelen Damm

Hauptfigur des Romans ist ein Kriminalkommissar, der in seinen Heimatort zurückkehrt, um einen Todesfall zu untersuchen, bei dem aber nichts so ist, wie es scheint. Die Titel Láŋtdievvá  und Planterhaug sind die Ortsnamen in Tornesamisch, einem Dialekt des Nordsamischen, und in Norwegisch.  „Das Werk vermittelt sowohl eine Naturverbundenheit als auch eine Wirklichkeitswahrnehmung, die – trotz des Einflusses des Christentums und der Norwegisierung – noch Spuren einer traditionellen samischen Weltanschauung aufweist“, schreibt die Jury.  Und: „Láŋtdievvá / Planterhaug ist ein bedeutendes Werk, das im nordischen Kontext seinesgleichen sucht. Es ist ein Werk, das bei jedem erneuten Lesen wächst.“ Es ist erst das zweite samischsprachige Buch überhaupt, das den Literaturpreis des Nordischen Rates erhält. Das erste war Nils-Aslak Valkeapääs Beaivi, Áhčážan (Sonne, mein Vater) vor 35 Jahren.

Kinder- und Jugendliteratur: Hilde Hagerup, Du eneste

Hilde Hagerup. Foto Anna Granberg-Blunderbuss

Du eneste (Du, die Einzige) ist ein Jugendroman, der inspiriert ist von der wahren Geschichte um zwei junge Frauen, die Norwegerin Gunvor Hofmo und die aus Wien geflüchtete Jüdin Ruth Maier. „Hilde Hagerup verarbeitet reale Ereignisse zu einem in sich geschlossenen, literarisch anspruchsvollen Roman. Das Buch schildert Geschehnisse aus dem Zweiten Weltkrieg und befasst sich zugleich mit Themen von zeitloser Relevanz – Liebe und Identität, Fremdenfeindlichkeit und Krieg“, urteilt die Jury. Dass es kein Happy End gibt, wird allerdings schon im ersten Kapitel angedeutet.

Film: Affeksjonsverdi/ Sentimental Value

Eskil Vogt & Joachim Trier. Foto Brendan Kimmet for American Cinematheque

Das Team hinter dem norwegischen Spielfilm  Affeksjonsverdi, international Sentimental Value,  hat schon viele Preise eingeheimst, unter anderem einen Oskar als bester internationaler Film. Die Filmpreis-Jury des Nordischen Rates  hebt besonders Joachim Trier (Regisseur und Drehbuchautor), Eskil Vogt (Drehbuchautor) sowie die Produzentinnen Maria Ekerhovd und Andrea Berentsen Ottmar hervor. „Zusammen mit seinen ständigen Kooperationspartnern hat Trier mit „Sentimental Value“ sein bislang ausgereiftestes Werk geschaffen und dabei eine Filmsprache entwickelt, die es ermöglicht, eine Geschichte zu erzählen, die zugleich persönlich und universell wirkt.“

Musik: Kristine Tjøgersen und Benedicte Maurseth, Elja

Die beiden Komponistinnen Kristine Tjøgersen und Benedicte Maurseth haben das Werk Elja auf Bestellung für das Kronos Quartett geschrieben, nicht für gewöhnliche Geigen, sondern für speziell gebaute Varianten der Hardangerfiedel. Die Besonderheit dabei sind mitschwingende Leersaiten.“Elja zeigt auf, wie die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen künstlerischen Praktiken die Möglichkeiten des Instruments, der Tradition sowie der zeitgenössischen Musik gleichermaßen erweitern kann.“, schreibt die Jury.

Umwelt: Miljøagentene

Die Kinder von Miljøagentene. Foto Johnny Vaet Nordskog

„Miljøagentene ist die erste Organisation ihrer Art in Norwegen, die es Kindern ermöglicht, auf demokratischem Wege politischen Einfluss auszuüben – bis hin zu internationalen Gipfeltreffen“, schreibt die Jury. Die norwegische Organisation für umweltinteressierte Kinder, Miljøagentene (Umweltagenten) hat mehr als 10 000 Mitglieder und mehrere lokal Vereine mit hohem Engangement. 

 

Video zum Musikpreis:

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