Grönland. Schweröl als Schiffstreibstoff ist in vieler Hinsicht problematisch – selbst wenn die Abgase gereinigt werden. Denn die Schadstoffe landen bei diesen sogenannten Scrubbersystemen zwar nicht mehr in der Luft, aber im Wasser. Das grönländische Parlament beschloss nun ein Einleitungsverbot für solche Abwässer in der gesamten Zwölf-Seemeilen-Zone und geht damit noch über die Regelung hinaus, auf die sich vergangenes Jahr die OSPAR-Länder einigten.
Scrubbersysteme wurden entwickelt, um die Abgasrichtlinien für Schiffe hinsichtlich des Schwefelgehalts einhalten zu können. Dabei wird alkalisches Wasser in den Abgasstrom gesprüht und bindet das Schwefeldioxid. In der einfachen Variante wird dazu Seewasser genutzt und samt der Verunreinigungen wieder ins Meer verklappt. Damit geraten aber nicht nur die Schwefeloxide ins Meer, sondern auch Schwermetalle und andere Rückstände. Diese sogenannte Open-Loop-Methode wird laut Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie von 85 Prozent des Schiffe benutzt. Eine andere Variante sind Hybrid- und Close-Loop-Systeme, bei denen das Abwasser teilweise wiederverwertet werden kann und geringere, aber konzentriertere Mengen ins Meer geleitet werden.
Einleitung aus Open-Loop-Systemen ab 1. Juli 2027 verboten
Die Einleitung von Abwasser aus Open-Loop-Scrubbersystemen sollen nun nach dem einstimmigen Beschluss im grönländischen Parlament bereits ab dem 1. Juli 2027 verboten werden. Das Einleitungsverbot für Abwässer aus allen anderen Scrubbersystemen soll dann am 1. Juli 2029 folgen. Das heißt nicht, dass Schiffe mit dieser Technologie nicht fahren dürfen: Wenn sie statt Schweröl den schwefelarmen, aber teureren Treibstoff verwenden, brauchen sie keinen Scrubber.
Zeitplan synchron zu OSPAR-Beschluss
Grönlands Zeitplan ist synchron zu dem der Länder, die der OSPAR-Konvention zum Meeresschutz im Nordostatlantik beigetreten sind. Diese haben vergangenes Jahr ebenfalls den stufenweisen Bann von Scrubber-Abwässern beschlossen, allerdings nur für Häfen und „innere Gewässer“. Einzelne haben dies aber bereits auf ihre Territorialgewässer ausgeweitet, wie Dänemark, Schweden und Finnland.
Grönland geht über OSPAR-Beschluss hinaus
Grönland ist als Teil des Dänischen Königreiches auch Mitglied von OSPAR, allerdings umfasst das OSPAR-Gebiet lediglich Ostgrönland. Die grönländische Regierung hatte sich bereits im Dezember 2025 darauf verständigt, den OSPAR-Beschluss im ganzen Land und nicht nur an der Ostküste umzusetzen. Auf Antrag eines Demokraatit-Abgeordneten wird das Einleitungsverbot ebenfalls auf das komplette Hoheitsgewässer ausgeweitet. Die Grönland-eigene Reederei Royal Arctic Line fährt bereits seit einem Jahr nicht mehr mit Schweröl.
Im Bereich Spitzbergen herrscht bereits Schweröl-Verbot:
Erster Verstoß gegen Schweröl-Verbot: Hohes Bußgeld


