Finnland. Anfang September kündigte Google eine Investition von 13 Milliarden Euro in Finnland an, unter anderem für drei neue Rechenzentren. Inzwischen ist klar: Der US-Konzern besaß die Grundstücke längst und hatte in Muhos und Kajaani sogar schon angefangen, sie abzuholzen – ohne die notwendigen Genehmigungen. Die finnischen Behörden haben diese Arbeiten nun gestoppt. Darüber berichtete Yle.
Die im September angekündigten 13 Milliarden Euro sollten in neue Rechenzentren bei Muhos, Vaala und Kajaani (alle in Mittelfinnland) gehen, außerdem in eine Erweiterung der bereits laufenden Anlage in Hamina. Nur eine gute Woche später schlug jedoch der finnische Naturschutzverein (Suomen Luonnonsuojeluliitto) Alarm: Google holze bei Muhos und Kajaani schon ab, ohne Genehmigung. Insgesamt handelt es sich um 330 Hektar Wald in Leppiniemi, Muhos, und etwas unter 200 Hektar in Otanmäki, Kajaani. Auch andere vorbereitende Arbeit sind dort bereits passiert, obwohl die Umweltverträglichkeitsprüfung noch nicht abgeschlossen ist, die baurechtlichen Planungsprozesse teilweise noch nicht abgeschlossen sind und noch keine Baugenehmigungen vorliegt.
Aufsichtsbehörde stoppt Arbeiten
Google-Vertreter beriefen sich bei den Aktionen einerseits auf das Forstgesetz, andererseits auf einen Paragrafen zum vorzeitigen Baubeginn. Dies reiche nicht aus, meint die Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde inzwischen, und hat Googles finnische Tochter Tuike Finland angewiesen, die Arbeiten zu stoppen, da diese die Umgebung „signifikant verändern“ könnten. Der Stopp gilt, bis die notwendigen Genehmigungen vorliegen. Nach den vorliegenden Satelliten- und Drohnenbildern ist der Wald allerdings schon weg.
Professor erstaunt über Unkenntnis
Der von Yle befragter Professor für Umweltrecht Ismo Pölönen meint, dass sowohl in Muhos als auch in Kajaani gegen geltendes Recht verstoßen wurde. Er zeigte sich auch erstaunt darüber, wie Google keine Kenntnisse darüber haben konnte, welche Reihenfolge bei derartigen Projekten einzuhalten sei.
Google verweist darauf, dass man in gutem Glauben gehandelt habe, hat inzwischen aber Fehler eingeräumt und auch die Aufforstung von 130 Hektar bei Muhos angekündigt.
Rechenzentren im Norden nur mäßig beliebt
Google ist nicht das einzige Unternehmen, das in Finnland Rechenzentren bauen will. Finnland (und andere nordische Länder) sind einerseits aus klimatischen Gründen nachgefragt, andererseits aufgrund der oft günstigen Strompreise. Sie sind vor Ort nur mäßig beliebt, da sie viel Strom brauchen, aber – außer in der Bauphase – wenige langfristige Jobs schaffen.
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