Abschlussbericht der Wahrheitskommission in Schweden

Schweden. Die Wahrheitskommission für das samische Volk in Schweden hat gestern ihren Abschlussbericht an die noch amtierende Kulturministerin Parisa Liljestrand übergeben. Dazu gehören auch rund 300 Zeugnisse von Betroffenen, die ihre Erfahrungen mit Diskriminierung und Rassismus teilen. Die Regierung wird nun aufgefordert, sich im Namen des Staates zu entschuldigen. Da die aktuelle Regierung nur noch geschäftsführend im Amt ist, sind allerdings so schnell keine Aktionen zu erwarten. Darüber berichtete SVT.

Flagge von Sapmi

„Dies ist ein Teil der Geschichte Schwedens, über die ein Teil der Mehrheitsbevölkerung überhaupt nichts weiß“, sagte Lena Nyberg, die Vorsitzende der Wahrheitskommission, gegenüber SVT.  Aufgabe der Kommission war es, die schwedische Politik gegenüber der samischen Bevölkerung nachzuzeichnen, die Folgen darzustellen und Möglichkeiten zur Versöhnung vorzuschlagen. Die Zeitzeugenberichte handeln unter anderem von den Nomadenschulen, in die die Kinder geschickt wurden, die Folgen der Zwangsumsiedlungen von Nordsamen aus dem schwedisch-norwegischen Grenzgebiet sowie das weitreichende Verbot der samischen Sprache und die Folgen daraus. Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass der Staat das Unrecht, das der samischen Bevölkerung angetan wurde, anerkennen muss  und Konsequenzen folgen müssen. Vorgeschlagen wird unter anderem die Ratifizierung der ILO-Konvention 169 über indigene Völker.

Ungünstiger Zeitpunkt

Die Wahrheitskommission war schon 2008 von der Jugendorganisation Sáminuorra angeregt, aber erst 2021 wirklich eingesetzt worden. Die Arbeit zog sich hin, sodass der fertige Bericht zu einem ungünstigen Zeitpunkt kommt: Ministerin Liljestrand nahm ihn zwar entgegen und würdigte das Engagement der Beteiligten, konnte aber nichts weiter versprechen, da sie nur noch geschäftsführend im Amt ist. 

Forschung und Zeitzeugenberichte

Die nun vorliegenden Berichte der Wahrheitskommission:

Norwegen und Finnland hatten ebenfalls Wahrheitskommissionen

Schweden ist mit seiner Wahrheitskommission spät dran: In Norwegen und Finnland gab es solche Verfahren bereits. Die schwedische Kirche hatte schon zuvor unabhängig davon Aufarbeitung betrieben und sich bei der samischen Bevölkerung entschuldigt. In Schweden gab es außerdem eine separate Wahrheits- und Versöhnungskommissionen für die finnischsprachigen Bevölkerungsgruppen in Nordschweden.

Frühere Artikel zum Thema:

Dieser Beitrag wurde unter Geschichte, Gesellschaft, Sápmi, Schweden veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen für den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert