Sodankylä (Finnland). In zehn finnischen Städten wurde am vergangenen Wochenende gegen das Sakatti-Grubenvorhaben nördlich von Sodankylä protestiert. Denn das Vorkommen befindet sich am Rand des geschützten Moorgebietes Viiankiaapa, das auch zum europaweiten Natura-2000-Netz gehört. Die britische Bergbaufirma AngloAmerican hofft, mit ihrem Konzept zu überzeugen, sodass sie eine Ausnahmegenehmigung bekommt. Darüber berichtete Yle.
Viiankiaapa ist weiträumiger Komplex mit sogenannten Aapa-Mooren, ein Moortyp, der vor allem in Fennoskandien vorkommen. Die Feuchtigkeit beziehen sie aus einem hohen Grundwasserspiegel. Die erhöhten Bultenstränge werden von Regenwasser versorgt. Auch Inseln mit altem Wald gibt es. Das Schutzgebiet wurde 1988 eingerichtet und ist 63,5 Quadratkilometer groß. Laut luontoon.fi wurden dort 90 Vogelarten beobachtet, und es wachsen bedrohte Pflanzenarten wie Carex heleonastes, die Schlenken-Segge. Wanderwege und ein Aussichtsturm zur Vogelbeobachtung machen diese spezielle Natur auch für Menschen erlebbar.
Untertage-Abbau durch Tunnel geplant
Das Multi-Metallvorkommen darunter wurde 2009 entdeckt. Laut AngloAmerican sind dort Kupfer, Nickel und Kobalt zu holen, außerdem Edelmetalle wie Gold, Silber und Platinum. Die Metalle liegen zwischen 250 und 1200 Meter tief im Boden. Das Konzept von AngloAmerican bzw. seiner finnischen Tochterfirma Sakatti Mining sieht vor, von einer Anlage außerhalb des Schutzgebietes einen fünf Kilometer langen Tunnel hineinzutreiben und das Vorkommen unter Tage abzubauen. Damit würden sämtliche Einrichtungen entweder unter oder außerhalb des Gebietes liegen. Auch Abraum und Tailings würden außerhalb gelagert werden, allerdings nicht weit entfernt von der Grenze. Nicht mehr gebrauchte Gänge sollen verfüllt werden. Der Abbau des Metallvorkommens, insgesamt rund 157 Millionen Tonnen, soll gut 20 Jahre dauern.
Mögliche Auswirkungen auf das geschützte Moorgebiet
Um in dem geschützten Gebiet tätig werden zu dürfen, benötigt AngloAmerican eine Ausnehmegenehmigung für das Natura-2000-Gebiet. Zurzeit wartet die Regierung auf eine Stellungnahme der EU dazu. Finnland müsste außerdem sein Moorschutzgesetz ändern, damit darunter Bergbau betrieben werden darf. Sowohl die Umweltbehörde Lapplands als auch die Forstbehörde haben Bedenken wegen möglicher Auswirkungen geäußert, beispielsweise bei sinkendem Wasserspiegel. AngloAmerican ist auch bereits dabei, sich angrenzende Gebiete zu sichern, die als Moor renaturiert werden könnten, um Kompensation für zerstörte Naturwerte leisten zu können.
Rohstoffversorgung contra Naturschutz
Metalle wie Kupfer und Kobalt sind aktuell gefragt und würde die Abhängigkeit Europas von außereuropäischen Produzenten mindern.. Neben einem sinkenden Wasserspiegel, der das Moor oder zumindest Teile davon trockenlegen würde, könnte aber auch ein Unglück auf der Anlage direkt nebenan Auswirkungen auf das Schutzgebiet haben. Bei einem Dammbruch der Grube in Talvivaara bei Sotkamo 2012 wurde die Umwelt weiträumig verseucht.
Greenpeace und zahlreiche weitere Naturschutzorganisationen protestieren bereits seit längerem. Diesmal gab es Demonstrationen unterschiedlicher Größe in zehn Orten: Helsinki, Turku, Tampere, Jyväskylä, Joensuu, Kuopio, Vaasa, Oulu, Sodankylä und Rovaniemi.
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