Schlechtes Zeugnis vom WWF für Ostsee-Anrainerstaaten

Ostsee. Vor gut zehn Jahren einigten sich die Ostsee-Anrainer auf den „Baltic Sea Action Plan“ – bis 2021 sollte das Binnenmeer wieder in einem guten Zustand sein. Der World Wide Fund for Nature (WWF) verteilt in seinem jüngsten Report fast durchgehend schlechte Noten: Die Länder würden ihren Verpflichtungen nicht oder nur teilweise nachkommen.

Ostsee

Blick auf die Ostsee

Die Umweltprobleme der Ostsee lassen sich in vier Bereiche einteilen: Überdüngung, gefährliche Substanzen, schrumpfende Biodiversität und Nebenwirkungen der  Schifffahrt. Der WWF misst den Erfolg daran, inwieweit die neun Anliegerstaaten die verabredeten Ziele in nationales Recht und entsprechende Programme umgesetzt haben.  Am häufigsten ist dies in der Frage gefährlicher Chemikalien gelungen: Finnland, Litauen und Polen haben ihre Aufgaben gelöst, Dänemark sogar vorzeitig. Schweden ist mit einem Minuspunkt kurz davor. Deutschland ist hier mit -7 Punkten nur Vorletzter vor Russland (-9 Punkte).

Insgesamt wurden 58 Aktionen untersucht und stufenweise bewertet (Gesamtbericht). Drei Minuspunkte gab es, wenn die vereinbarte Frist schon abgelaufen war, aber keine Anzeichen für eine Bearbeitung erkennbar waren.  Einen Pluspunkt erhielt, wer die Aufgabe schon vor Fristende gelöst hatte.  Schweden kommt mit einem Gesamtergebnis insgesamt 11 Minuspunkten noch am nächsten an die Erfüllung heran, dicht gefolgt von Finnland (-14) und Dänemark (-16). Deutschland liegt insgesamt mit 26 Minuspunkten nur kurz vor Litauen (-27). Die meisten ungelösten Aufgaben haben noch Lettland (-41) und Russland (-43).

Sportboothafen Luleå

Ostsee-Sportboothafen Luleå

Das nördlichste Ende der Ostsee, die Bottenwiek, die fast an den Polarkreis heranreicht, hat zwar grundsätzlich dieselben Probleme wie die anderen Regionen. Ein paar Vorteile hat die abgelegene Lage aber doch, wie der Statusbericht von HELCOM (Helsinki-Kommission als Koordinator) zeigt. Der Schiffsverkehr ist dort weniger dicht als in der zentralen Ostsee. Es wurde dort auch keine Munition versenkt. Die großen Flüsse tragen vergleichsweise wenig Nährstoffe ein, zumindest die Küstengebiete sind teilweise weniger von der Überdüngung betroffen. Industrie gibt es dort allerdings auch, von Stahl bis Papier. Die früheren „Verschmutzungs-Hotspots“ sind aber inzwischen als bearbeitet von der Helcom-Liste gestrichen worden.

Umweltschützer auf beiden Seiten der Bottenwiek sehen neben der verbliebenen Verschmutzung aber eine neue Gefahr heranwachsen: Auf der Halbinsel Hanhikivi, nahe dem Ort Pyhäjoki, wird gerade der Bau eines Atomkraftwerkes vorbereitet.

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